KArriere Berater

"Alles zu hoch für mich!" Diesen Satz unterschreibt jeder deutsche Unternehmer - in Bezug auf die Lohnkosten. Aber ist die Klage über das himmelhohe Lohnniveau in Deutschland überhaupt berechtigt? Eine bewährte Vergleichsmethode: Man rechnet aus, was ein produziertes Stück kostet.

Diese Lohnstückkosten sind in der EU von 1995 bis 2006 um beachtliche 22 Prozent nach oben geschossen. Aber ausgerechnet in Deutschland, wo die Unternehmer am lautesten jammern, lag der Anstieg bei nur einem Prozent (oder bei 0,083 Prozent pro Jahr). Das ist ein Zweiundzwanzigstel des Anstieges in der EU. Ähnliches gilt für die Lohnentwicklung: Den deutschen Arbeitnehmern ist vor lauter Nullrunden schon ganz schwindlig. Während sich die Reallöhne in der EU von 1995 bis 2005 um 7,5 Prozent erhöht haben, sind sie in Deutschland um 0,9 Prozent gesunken. Insofern verwundert es nicht, dass Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, sagt: "Zwar ist und bleibt Deutschland ein Hochlohnland, doch sind die Löhne nicht generell zu hoch." Deutlicher gesagt: Deutsche Arbeitnehmer sind so günstig wie nie zuvor. Das ist ein Grund, warum wir Exportweltmeister sind - und die deutschen Unternehmer zuletzt Rekordgewinne eingefahren haben, ohne dass auch nur einer gesagt hätte: "Zu hoch für mich!" Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", Econ, 14,99 Euro. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne