KArriere Berater

Eine Demo in der Fußgängerzone, Trillerpfeifen und Protestchöre. Auf dem Transparent steht: "Gleiche Einstiegsgehälter für alle Führungskräfte - auch für unser Geschlecht!" Frauen beim Protestieren? Nein, Männer! Denn weibliche Führungskräfte von unter 30 hängen ihre männlichen Kollegen beim Gehalt locker ab: Im Schnitt verdienen sie sieben Prozent mehr, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ergab.

Kein Wunder, bringen sie doch oft die besseren Schul- und Hochschulabschlüsse und die größere soziale Kompetenz mit. Warum kippt dieser Vorsprung später ins Gegenteil? Warum verdienen die Männer in gehobenen Führungspositionen im Schnitt ein Drittel mehr als Frauen: 5300 statt 4000 Euro? Erklärung eins: Frauen ordnen ihre Karriereinteressen oft dem Lebenspartner und den Kindern unter. Wer eine Kinderpause einlegt, wird im Gehalts- und Karriererennen überrundet. Gerade zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr lassen sich die Weichen stellen. Erklärung zwei: Frauen tun sich beim Gehaltspoker schwerer als Männer. Sie neigen dazu, ihre Forderung weichgespült vorzutragen, im hohen Ton der Bitte und mit zahlreichen Konjunktiven ("Wäre schön, wenn …"). Solche Signale der Unsicherheit mindern die Chancen. Dasselbe gilt für die mangelnde Bereitschaft, Prämien zu akzeptieren. Ein Experiment der Uni Bonn ergab: Frauen gehen auf leistungsabhängige Vergütung deutlich seltener als Männer ein. Dabei macht gerade die Leistungsprämie einen großen Teil eines Chefgehaltes aus. Es gilt dasselbe wie am Roulettetisch: Nur wer den Mut hat, etwas zu setzen, fährt am Ende die Gewinne ein. Und wer den Mut nicht hat, muss zur Demo in die Fußgängerzone. Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Bin ich hier der Depp?: Wie Sie dem Arbeitswahn nicht länger zur Verfügung stehen", Mosaik, 14,99 Euro. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne