KArriere Berater

Über viele Jahre hinweg hätten Arbeitnehmer eher der geldgierigen Comicfigur Dagobert Duck eine Spende fürs Armenhaus als dem eigenen Chef eine Teilzeitstelle entlocken können. Seit 2001 stehen die Chancen für die Beschäftigten jedoch besser: Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) gewährt ihnen einen Anspruch auf Teilzeitarbeit, wenn das Arbeitsverhältnis seit mehr als einem halben Jahr besteht und die Firma mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Zwar kann der Arbeitgeber Ihren Wunsch aus betrieblichen Gründen ablehnen, aber dann muss er nachweisen, dass seine Organisation sehr beeinträchtigt, die Arbeitsabläufe gestört, die Sicherheit gefährdet oder die Kosten in unverhältnismäßige Höhe getrieben würden. Mit diesem Nachweis sind schon etliche Unternehmen vor Gericht gescheitert. Vor allem, weil sie einigen Arbeitnehmern das Recht auf Teilzeit eingeräumt, es anderen aber versagt hatten. Nur noch wenige Unternehmen lassen es auf einen Prozess und auf ein mögliches Präzedenzurteil ankommen, sie bieten dem Arbeitnehmer im Vorfeld eine Lösung an. Aber: Argumentieren Sie erst gar nicht als Erpresser ("Sonst gehe ich vor Gericht!"), sondern zeigen Sie den Vorteil des Unternehmens auf. Was hat die Firma davon, wenn Ihre Erfahrung (halbtags) erhalten bleibt? Wie schaffen Sie es, Ihre Arbeit reibungslos zu organisieren? Ein Trumpf kann Job Sharing sein: Sie und eine andere Halbtagskraft teilen sich eine ganze Stelle - also wird die Arbeit rund um die Uhr erledigt. Auf eine Teilzeit-Stelle zu klagen ist nur dann klug, wenn Sie sich mit einem goldenen Handschlag verabschieden wollen. Was die Basis des Vertrauens zerstört, kann immerhin eine gute Basis für eine Abfindung schaffen. Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Bin ich hier der Depp?: Wie Sie dem Arbeitswahn nicht länger zur Verfügung stehen", Mosaik, 14,99 Euro. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne