KArriere Berater

"Es ist zwecklos", stöhnte Projektleiter Peter Ude (34) in der Beratung, "mein Chef wird mir nie eine Fortbildung genehmigen." Seine Begründung: "Wir sind nur ein kleiner Mittelständler, 45 Mitarbeiter.

Da kann er mich nicht vier Tage zum Rhetorikkurs schicken." Stimmt das? Sitzt in großen Firmen das Fortbildungsgeld lockerer? Stimmt nicht! Kleine Firmen stehen und fallen mit jedem einzelnen Mitarbeiter. Wenn ein Betrieb nur 30 Angestellte hat, ist der Einzelne für den Erfolg etwa 100 Mal wichtiger als im Konzern mit 3000 Leuten. Gerade das Wissen der Fach- und Führungskräfte muss auf dem neusten Stand sein. Außerdem sind Fortbildungen ein Argument, mit dem sich Mitarbeiter halten lassen. Eine Studie ergab: Im Durchschnitt geben deutsche Firmen 1072 Euro für die Fortbildung jedes Mitarbeiters aus - ein Betrag, der nicht in erster Linie aus den Kosten für die Fortbildung, sondern aus denen für die entgangene Arbeitszeit besteht (eine fragwürdige Rechnung, denn viele Mitarbeiter leisten vor und nach dem Seminar Mehrarbeit, so dass faktisch gar kein Zeitverlust entsteht). Diesem Durchschnittswert stehen 1151 Euro in Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern gegenüber. Wer seinem Chef mit seinem Wunsch sanft auf die Füße tritt, wird merken: Die kleinen Firmen sind bei Seminaren oft beweglicher als die großen. Dafür ist ihre Personalentwicklung nicht so systematisch wie in Konzernen. Die Initiative muss also immer von Ihnen kommen. Peter Ude wagte den Vorstoß und bekam einen Rhetorikkurs von Freitag bis Montag. Das Wochenende brachte er ein. Die Kosten übernahm die Firma. Eine faire Lösung! Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Bin ich hier der Depp?: Wie Sie dem Arbeitswahn nicht länger zur Verfügung stehen", Mosaik, 14,99 Euro. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auf www.volksfreund.de/kolumne