KArriere Berater

"Die Beförderung wird mir die nötige Autorität verleihen." "Da verwenden Sie ein interessantes Wort: Ihre Autorität ist nur geliehen.

Sie gehört Ihnen nicht. Mit dem Amt geht sie wieder verloren. "Aber so weit sind wir noch nicht! Als Bereichsleiter habe ich auch die Autorität eines Bereichsleiters." "Ja, die formale Autorität. Sie hat nichts mit Ihnen persönlich zu tun, nur mit Ihrem Amt. Aber wäre es nicht ein Armutszeugnis, wenn Ihre Mitarbeiter Sie nur akzeptierten, weil Sie ihnen die Pistole der formalen Autorität an den Kopf halten?" "Die Gründe sind mir nicht so wichtig. Hauptsache, der Laden läuft." "Genau da liegt das Problem. Wenn Sie formalen Zwang ausüben, verhalten sich die Mitarbeiter wie Federn: Sie springen, sobald Sie wegschauen, wieder in ihre alte Position zurück. Ein guter Führer findet freiwillige Gefolgsleute." "Das klingt romantisch, aber nicht realistisch!" "Ist es aber. Allerdings brauchen Sie dafür umfassendere Autorität. Und die steht immer auf drei Beinen - nicht nur auf der Position, also der Formal-Autorität. Sondern auch auf Ihrer Fachkenntnis, also der fachlichen Autorität; und auf der Persönlichkeit, also Ihrer personalen Autorität. Die letzten beiden sind nicht verleihbar: Die müssen Sie selber einbringen." "Können Sie mal ein Beispiel geben?" "Fachliche Autorität kann bedeuten: Sie sind so gut in einem Fach, dass andere oft mit Fragen an Ihre Tür klopfen. Ihre Meinung, Ihre Erfahrung und Ihr Rat sind gefragt - unabhängig von Ihrer Position." "Und personale Autorität …?" "… bedeutet zum Beispiel, dass Sie ein gutes Händchen im Umgang mit Menschen haben, als zuverlässig, charakterstark und ehrlich gelten. Das bringt Ihnen Respekt und Anerkennung. So können etwa Projektleiter Menschen führen, ohne formal über Ihnen zu stehen." "Und wo liegt mein Vorteil bei der Sache?" "Sie haben Mitarbeiter, nicht Gegenarbeiter! Das spart Worte und Kontrolle. Außerdem: Die fachliche und personale Autorität kann Ihnen niemand wegnehmen, wohin Sie auch gehen. Dagegen endet Ihre verliehene Autorität mit dem Arbeitsvertrag." Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Wehrles aktuelles Buch ist "Bin ich hier der Depp? Wie Sie dem Arbeitswahn nicht länger zur Verfügung stehen", Mosaik, 14,99 Euro. Diese und weitere Volksfreund-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne