KArriere Berater

Bildhübsche Frauen haben bei der Partnersuche ein Problem: Viele Männer schrecken vor ihnen zurück; keiner will abblitzen. Einser-Kandidaten geht es ähnlich: Aus Gründen, die sich ihren hellen Köpfen nicht erschließen, öffnen sich die Firmentore nur spärlich.

Was lässt die Unternehmen zögern? Erstens: Entscheidend im Berufsleben ist die emotionale Intelligenz, die Fähigkeit, mit sich und mit anderen gut umzugehen. Etliche Chefs - gerade solche mit mittleren Noten - trauen es Einser-Kandidaten nicht zu, sich in Teams einzuordnen. Zweitens: Niemand langweilt sich so schnell wie Hochbegabte. Ihr Geist will täglich neues Futter. Aber was liegt in den meisten Firmen an? Routinearbeit. Der Einser-Kandidat wirkt überqualifiziert. Drittens: Gerade mittelständische Firmen haben den Ehrgeiz, ihre Mitarbeiter zu adoptieren. Will heißen: Die Mitarbeiter sollen lange bleiben. Von Einser-Kandidaten sagen Mittelständler oft: "Den können wir nicht lange halten, der will eine Karriere machen." Tatsächlich fehlt es an attraktiven Perspektiven. Außerdem halten es viele Chefs mit Albert Einstein: "Universitäten sind schöne Misthaufen, auf denen gelegentlich eine edle Pflanze gedeiht." Und eine solche Pflanze behält den Geruch von Theorie und Wissenschaft - nur für die Forschung ein Lock-, sonst ein Schockstoff. Mittelprächtigen Studenten wird mehr Praxistauglichkeit zugetraut. Daraus folgt? Der Einser-Kandidat muss als Bewerber so bodenständig, praxisnah und teamfähig wirken, dass ihn die Chef-Jury freispricht von dem Generalverdacht, er sei ein Überflieger. Oder der Kandidat muss dort klettern, wo die Karriere-Berge am höchsten sind - in einem großen Unternehmen. Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Bin ich hier der Depp? Wie Sie dem Arbeitswahn nicht länger zur Verfügung stehen", Mosaik, 14,99 Euro. TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne