KArriere Berater

Moderne Menschen greifen nicht mehr zum Hörer - sie greifen in die Tasten, verschicken Mails. Auf den ersten Blick spart das Zeit, denn kurze Telefonate gelingen selten: Meist ist die Sachbotschaft in einem Satz übermittelt - und dann folgt minutenlanges Plaudern.

Also besser gleich mailen? Nein, das Telefon bietet große Vorteile: Zum einen hören Sie unmittelbar, wie Ihr Gesprächspartner reagiert. Schweigt er lange (vielleicht, weil Ihr Terminwunsch unrealistisch ist)? Zeigt Ihnen seine Reaktion, dass er Sie falsch verstanden hat? Am Telefon können Sie direkt reagieren, einen Dialog führen. Diese spontane Interaktion bietet der einseitige Schriftweg nicht. Zweitens ist Telefonieren immer persönlicher als ein Mailkontakt. Die Stimme sorgt für mehr Vertrautheit als Buchstaben auf einem Bildschirm. Sicher ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie Menschen nur vom Telefon kannten - und dann, beim ersten Treffen, über ihr Aussehen erstaunt waren. Offenbar hatten Sie sich ein konkretes Bild von ihnen gemacht! Das passiert beim Mailen kaum. Und drittens dient die menschliche Kommunikation nur zu einem winzigen Bruchteil der Übermittlung von Informationen. In erster Linie pflegen wir beim Sprechen Beziehungen. Gerade wenn Sie Netzwerke bilden und Ihre Karrierechancen heben wollen, sollten Sie möglichst oft zum Telefonhörer greifen. Viele mächtige Männer, so auch der Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, haben den Telefonhörer zum Königszepter, zum wichtigsten Instrument beim Knüpfen ihres Machtnetzes gemacht. Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", Econ, 14,99 Euro. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne