KArriere Berater

Briefe sind out - Mails erreichen mehr. Die größte Müllkippe dieser Erde verbreitet keinen Gestank - und doch stinkt sie denen, die Zugang zu ihr haben.

Ich meine die Mailfächer. Sie quellen über vor lauter Nichtigkeiten, vor Spams, vor CCs, vor Dünnbrettbohrerei. Etliche Mailempfänger sind so genervt, dass sie zwischen all dem Verbalmüll die wichtigen Mails kaum registrieren. Gerade viel beschäftigte Manager springen so schnell von einer Mail in die andere, als wären sie auf der Flucht. Genau umgekehrt beim Briefeingang: Früher schleppte der Postbote bergeweise Briefe ins Büro, heute kommt er mit einer dünnen Tasche. Je weniger Briefe eingehen, desto ernster werden sie genommen, desto mehr Aufmerksamkeit ist ihnen sicher. Das gilt auch für Bewerbungen in Traditionskonzernen, sofern sie nicht ausdrücklich den elektronischen Weg bevorzugen (vorher klären!). In wichtigen Angelegenheiten, etwa wenn Sie einen Ex-Chef um eine persönliche Referenz bitten, kann es durchaus klug sein, den Brief der flüchtigen Mail vorzuziehen. Das ist nicht altmodisch, das hat schon wieder Stil. Aber achten Sie auf zweierlei! Beim Brief liegt die Latte höher. Er sollte nicht zu lapidar sein, weder im Inhalt noch im Stil. Wer (frei nach Jean-Jaques Rousseau) einen Brief anfängt, ohne zu wissen, was er sagen will, und beendet, ohne etwas gesagt zu haben, der hätte auch eine Mail schreiben oder auf jede Mitteilung verzichten können. Zwingen Sie den Empfänger nicht, auf demselben Weg zu antworten - geben Sie immer Ihre Mailadresse mit an! Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", Econ, 14,99 Euro. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne