Karriereberater

Die Frage gilt als Wundermittel der Führung, doch schon der Volksmund weiß: Ein Chef hat das Sagen, nicht das Fragen. Natürlich kann ein Sporttrainer seine Mannschaft fragen: "Wer fühlt sich gut in Form, wen soll ich aufstellen?" Aber aus diesem Wirrwarr der Stimmen sich eine Meinung zu bilden und sie umzusetzen, auch gegen den Konsens, das ist seine Aufgabe.

Die Frage hilft, ein Gespräch zu lenken, Informationen zu sammeln, das Wissen der Mitarbeiter für wichtige Entscheidungen zu erschließen - allerdings unter einer Voraussetzung, die von etlichen Führungskräften, deren Fragen eher Plagen sind, regelmäßig übersehen wird: "Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen", so Johann Wolfgang Goethe. Das letzte Wort liegt beim Chef. Er muss, wenn der Weg sich scheidet, entscheiden, eine Richtung wählen, seine Belegschaft mitreißen. Wer im Vorfeld einer Entscheidung fragt, gilt als guter Chef; wer in der Schlüsselsituation immer noch fragt, als Zauderer. Seine Unsicherheit überträgt sich auf die Belegschaft. Oft geht das heimliche Kommando an einen informellen Führer, der mehr Entschlossenheit ausstrahlt. Und der weniger fragt. Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", Econ, 14,99 Euro. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne