karriereberater

Was juckt den Personaler Ihre Vergangenheit? Sie ist ihm völlig wurst. Es geht nicht darum, was Sie bislang erreicht oder versäumt haben - es geht darum, was Sie künftig erreichen oder versäumen werden.

Es geht um die Prognose, ob Sie der offenen Position gewachsen sind. Diese Tatsache sollten Sie immer im Kopf haben, auch wenn man von Ihnen wissen will: "Warum haben Sie Ihren vorletzten Arbeitgeber bereits nach zwei Jahren verlassen?" Heimlich gemeint ist: "Wie lange bleiben Sie unserer Firma treu? Was muss an Ihrem Arbeitsplatz passieren, dass Sie die Flinte ins Korn werfen?" Nun können Sie antworten: "Ich bin ein Mensch, der nach einer gewissen Zeit Abwechslung braucht." Gehört wird: Sie laufen "nach einer gewissen Zeit" wahrscheinlich wieder davon, Ihre Einarbeitung lohnt sich nicht. Oder Sie sagen: "Damals hat mir an der Arbeit ein Element gefehlt, das mich an Ihrer Position besonders reizt: Ich brauche den direkten Umgang mit Kunden und viel Eigenverantwortung." Dann ist die Prognose positiv: Wahrscheinlich bleiben Sie lange. Sogar die Frage nach Schulfächern, die Sie gehasst haben, richtet sich auf die Zukunft. Wenn Sie eine Aversion gegen den Sportunterricht zugeben, besonders gegen Mannschaftssport - wer garantiert, dass Sie nicht noch immer ein teamunfähiger Einzelkämpfer sind? Solche Interpretationen mögen zu weit gehen, aber das Prinzip ist nicht verkehrt. Oder würden Sie die Chancen einer Ehe, wenn ein fünfmal Geschiedener heiratet, gleich hoch wie bei einem Erstversuch einschätzen? Schon der weise Konfuzius sagte: "Erzähle mir deine Vergangenheit, und ich werde die Zukunft erkennen." Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", Econ, 14,99 Euro. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne