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Kommt drauf an, was man draus macht

Bausparen gilt manchem als angestaubt und kleinkariert. Neuerdings warnen einige Verbraucherschützer sogar vor den Risiken der Verträge. In Zeiten historisch niedriger Zinsen empfehlen sie eine Kombination aus Banksparplan und Hypothekendarlehen. Was an der Kritik wirklich dran ist, beleuchtet der TV in einer kleinen Serie. Andrea Martens

Sie sind etwas für Rasenpfleger und Partnerlook-Träger, für Etablierte und Kleinkarierte. Kurz: Bausparverträge sind spießig. Dieses Image ist den Anbietern, den privaten und öffentlich- rechtlichen Bausparkassen, nicht peinlich. Im Gegenteil, sie werben sogar damit.
In jüngster Zeit mehren sich aber kritische Stimmen, die zu dem Spießer-Image gar nicht passen. Von "teuer erkauften Sollzinsen" ist zu lesen. Einige Verbraucherschützer warnen gar vor Bausparverträgen und empfehlen eine Kombination aus Banksparplan und Hypothekendarlehen.
tv-serie bausparen


Vom zinssicheren Spießer-Produkt zum riskanten Finanzinstrument? Was an den Kritikpunkten dran ist, zeigt sich, wenn man sie einzeln unter die Lupe nimmt.
Geringe Sollzinsen werden mit niedrigen Guthabenzinsen erkauft. Das ist nicht neu. Bei einem Bausparvertrag kommt das Geld für die eigenen vier Wände von der Gemeinschaft der Sparer. Auf die Spargelder gibt es weniger Zinsen als für einen Banksparplan. Die Guthabenzinsen liegen bei Bausparverträgen derzeit zwischen 0,25 und 1,5 Prozent p.a. Bei Banksparplänen sind zum Teil mehr als zwei Prozent drin.
Dafür zahlen Bausparer für ein späteres Darlehen mit einer Laufzeit von zehn Jahren auch nur etwa 2,5 Prozent statt durchschnittlich etwa drei Prozent für ein Hypothekendarlehen.
Hohe Abschlussgebühren vernichten Erträge. Das ist richtig, gilt aber nur für Neuverträge mit niedrigen Guthabenzinsen. Die Abschlussgebühren für Bausparverträge belaufen sich üblicherweise auf ein Prozent der Bausparsumme. "Es dauert viele Jahre, bis der Sparprozess bei den mickrigen Zinsen aus den roten Zahlen kommt. Bei Zuteilung ist eine Negativrendite in der Regel programmiert", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Für die Immobilienfinanzierung kann sich der Abschluss eines Bausparvertrages trotzdem anbieten.
Bausparverträge sind zinssicher, aber nicht zinsgünstig. Bei Abschluss eines Bausparvertrags wird der Zins für das Bauspardarlehen festgelegt. Zinssicherheit hat der Häuslebauer in spe auf jeden Fall. "Ob die Finanzierung zinsgünstig ist, lässt sich tatsächlich erst im Nachhinein beurteilen", sagt Nauhauser.
Klar: Sinken die Zinsen für Hypothekendarlehen bis zur Zuteilung des Bausparvertrages unter den vereinbarten Zins für das Bauspardarlehen, erweist sich dieses als teuer. Im umgekehrten Fall hat sich der Abschluss gelohnt. Aufgrund des aktuellen historischen Niedrigzinsniveaus können künftige Eigenheimbesitzer vom Abschluss eines Bausparvertrags jetzt durchaus profitieren. Ihr Sollzins bleibt unverändert, auch wenn die Zinsen in den kommenden Jahren steigen.
Besser Banksparplan und Hypothekendarlehen als Bausparvertrag? Ob sich ein Bausparvertrag lohnt oder eine Kombination aus Banksparplan und Hypothekendarlehen, kommt auf den Einzelfall an. "Vor Abschluss eines Vertrags sollte daher sehr sorgfältig und möglichst von einem neutralen Berater geprüft werden", sagt Professor Steffen Sebastian, Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg.