Kopie des Testaments kann reichen

Kopie des Testaments kann reichen

Ohne Original geht nichts - das muss bei einem Testament nicht unbedingt der Fall sein. Wer eine Kopie besitzt und zusätzlich glaubhaft machen kann, dass das Testament gültig ist, hat unter Umständen eine Chance.

In einem Erbfall muss grundsätzlich das Original des Testamentes vorgelegt werden. Manchmal reicht jedoch auch eine Kopie. Nur muss dann zusätzlich mit anderen Mitteln bewiesen werden können, dass das Testament gültig ist. Das teilt die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) unter Berufung auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Naumburg mit (Aktenzeichen: 2 Wx 60/11).

In dem Fall hatte der verstorbene Erblasser keine gesetzlichen Erben hinterlassen. Einzig infrage kam der Neffe der bereits gestorbenen Ehefrau des Erblassers. Der Neffe machte sich aber zunächst keine Hoffnung auf das Erbe, da er nur die Kopie des Testaments hatte. Zehn Jahre nach dem Erbfall stellte er dennoch einen Antrag auf Erteilung eines Erbscheins.

Mit Erfolg: Das Oberlandesgericht erkannte die Kopie des Testaments an. Zum einen habe die Ehefrau des Neffen glaubhaft die Details der Testamentserrichtung schildern können. Zum anderen habe der Neffe den Antrag erst spät eingereicht. Bei einem beabsichtigten Erbbetrug hätte er nicht zehn Jahre gewartet, befanden die Richter.