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Leuchtende Leine: Mit dem Hund gut durch den Herbst

Leuchtende Leine: Mit dem Hund gut durch den Herbst

Morgennebel, nasses Laub und frühe Dämmerung: Mit diesen Dingen kommen Hunde im Herbst gut klar. Anders sieht das für die Halter aus. Damit sie und andere Verkehrsteilnehmer ihr Tier besser sehen können, helfen reflektierende Halsbänder.

Wenn es im Herbst früher dunkel wird und unangenehm nass-kalt ist, macht das nicht nur Menschen Probleme. Auch für Hunde bedeuten diese Monate eine Umstellung. Mit der kuscheligen Wärme ist es vorbei, und gerade nach einem Regenguss kann der Hund schlottern. Mit der Dunkelheit haben allerdings vor allem die Hundehalter zu kämpfen. Sie sehen nämlich im Dunkeln meist schlechter als ihre Tiere.

„Bei schlechten Lichtverhältnissen wie Dämmerung haben Hunde einen klaren Vorteil gegenüber den Menschen: Ihre Sinnesorgane sind in diesen Situationen deutlich besser als unsere“, erklärt Prof. Michael Fehr, Direktor der Klinik für Heimtiere, Reptilien, Zier- und Wildvögel der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Dadurch könnten sich Hunde auch bei schummrigem Licht gut orientieren.

„Hunde haben am Augenhintergrund außerdem eine lichtreflektierende Schicht (Tapetum lucidum)“, sagt Fehr. Sie macht auch die wenig eindringenden Strahlen für das Auge wahrnehmbar. Außerdem sind bei Hunden das Gehör und der Geruchssinn ausgeprägter als beim Menschen. „Sie können zum Beispiel schon kleinste Mengen von Duftstoffen wahrnehmen und sich so in ihrer Umgebung orientieren“, sagt Fehr. Für Hunde, die keine Augenerkrankungen wie einen Grauen Star haben, ist es also eher kein Problem, wenn es im Herbst früher und länger dunkel ist. Für die Halter aber schon.

„Wer am Abend gerne eine größere Gassirunde dreht, muss darauf im Herbst aber nicht verzichten“, sagt Udo Kopernik, Sprecher des Verbandes für das Deutsche Hundewesen in Dortmund.

Allerdings müssten sich Halter umstellen. „Ist der Hund gut erzogen und hört auf Kommandos, kann man ihn auch am Abend frei laufen lassen.“ Macht das Tier dagegen lieber, was es will oder büxt gerne mal aus, sollte es an die Leine genommen werden. Wer darauf keine Lust hat, muss den langen Auslauf sonst vorziehen und am Abend nur eine kleine Runde drehen.

Die schlechte Sicht kann auch zu Unfällen mit anderen führen. „Jogger oder Radfahrer erkennen Hunde bei Dunkelheit kaum oder gar nicht“, sagt Tierarzt Fehr. Um Zusammenstöße zu vermeiden, können Besitzer dem Tier ein Halsband oder Geschirr anlegen, das reflektiert oder mit kleinen Lichtern blinkt.

Für die Hunde sind diese Accessoires dagegen nicht notwendig. Einige Experten kritisieren die blinkenden Anhängsel sogar. „Es ist unklar, ob es die Hunde selber stört, aber es ist durchaus vorstellbar, dass das blinkende Licht am eigenen Körper die Tiere irritiert“, sagte Kopernik. Hinzu komme, dass die Kommunikation der Hunde untereinander gestört werde.

Bleibt der Hund an dunklen Herbstabenden an der Leine, können Besitzer auf solche Gadgets am Tier verzichten. Besser sei es, eine fluoreszierende Leine zu nehmen oder sich selber etwas Leuchtendes an die Jacke zu heften, rät Kopernik. So könnten andere erkennen, dass ein Hund mit Halter auf sie zukommt.

Die kühlere Witterung im Herbst bereitet den Tieren keine Probleme. „Hunde sind keine Schönwetter-Tiere, sie gehen bei Wind und Wetter raus“, sagt Thomas Steidl, Mitglied des Ausschusses für Kleintiere der Bundestierärztekammer in Berlin. „Wirklich problematisch ist Kälte nur, wenn ein Hund nass geworden ist“, sagt Steidl. Deswegen sei es wichtig, mit einem nassen Hund in Bewegung zu bleiben.