Mahlzeit

Herbst ist Apfelsaison. Kaum vorstellbar, dass da jemand nicht in die knackig roten Bäckchen eines Apfels beißen möchte.

Tatsächlich leidet allerdings ein Fünftel der Deutschen an einer Apfelallergie. Viele, die eine Pollenallergie haben, reagieren auch auf Äpfel - typisch Kreuz allergie. Für Betroffene ist gut zu wissen, dass Hitze das allergieauslösende Eiweiß zerstört. Deshalb vertragen viele Allergiker Apfelkuchen, Kompott oder Saft ohne Probleme. Erfahrungen zeigen, dass aber auch bestimmte Äpfel roh genossen werden können. Solche, die vollreif geerntet werden, sind besser verträglich. Das spricht also eher für ausgereifte Früchte von der Streuobstwiese als solche aus dem Supermarkt. Im gewerblichen Anbau ist es meist üblich, das Obst unreif zu ernten. Bei der sich anschließenden wochen- oder monatelangen Lagerung wird der Reifeprozess mit technischen Raffinessen nachgeholt. Auch der Gehalt an sogenannten Polyphenolen spielt für die Verträglichkeit eine Rolle. Die sekundären Pflanzenstoffe inaktivieren den allergieauslösenden Stoff. Übrigens sind dieselben auch verantwortlich für das Braunwerden nach dem Anschneiden. Besonders alte Apfelsorten enthalten viele Polyphenole, wie Boskop oder Trierer Weinapfel, Bittenfelder oder Rambour. Allergiker sind demnach gut beraten, bei Äpfeln vom Erzeuger oder aus Omas Garten zuzugreifen. "Null-Acht-Fünfzehn-Ware" aus dem Supermarkt wie Delicious oder Jonagold lässt man hingegen besser links liegen. Außerdem bieten alte Sorten für alle Konsumenten ein Plus an Geschmacksvielfalt. Unglaublich: In Deutschland soll es mehr als 1600 Apfelsorten geben. Beim Selbstversuch ist Vorsicht angesagt. Schließlich sind die Allergien individuell unterschiedlich stark ausgeprägt. Das heißt, auch geeignete Apfelsorten werden eventuell nicht vertragen. Susanne Umbach ist Ernährungsreferentin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Kolumnen finden Sie unter volksfreund.de/kolumnen