Manche meinen es zu gut mit sich

Manche meinen es zu gut mit sich

Sich gut und vor allem richtig zu ernähren, sollte in einer Wohlstandsgesellschaft leicht sein. Und doch stellen Ernährungsexperten zunehmend punktuelle Defizite fest - weil viele Verbraucher die Bedürfnisse ihres Körpers nicht kennen.

Essen muss jeder. Was und wie viel von jedem, ist den meisten inzwischen wohlbekannt. Dennoch belegt die Bundesrepublik einen der Top-20-Plätze unter den dicksten Ländern der Welt: Rund 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen schleppen überflüssige Pfunde mit sich herum. Und das, obwohl ein Fünftel der Deutschen beim Essen auf die Kalorien achtet. "Im Großen und Ganzen ist die Bevölkerung gut versorgt", sagt Iris Brenner, Ernährungsberaterin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Aber die meisten Menschen überschätzten, welche Mengen und wie viele Kalorien sie bräuchten. "Das führt dann zu Gewichtsproblemen, weil viele es zu gut mit sich meinen", sagt sie.Familie & Volksfreund Ernährung

Zusätzlich und in der Folge komme es zur Unterversorgung mit manchen Nährstoffen. "Es gibt punktuelle Defizite wie etwa bei Folsäure, die hitzeempfindlich ist, aber ausreichend in Frischobst, Gemüse und Salat vorhanden ist", sagt Brenner. Ähnliches gelte für Jod, das in Fisch stecke, oder Eisen, das vor allem für Frauen mit Kinderwunsch eine wichtige Rolle spiele. Im Alter fehle dann häufig ausreichend Kalzium. "Schon ab 30 nimmt die Knochendichte ab, und wenn man nicht genug Kalzium mit der Kost aufnimmt, werden die Knochen schneller brüchig", sagt die Ernährungsexpertin. Wer sich deshalb an die Ernährungspyramide hält oder die Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung beachtet (siehe Extra), "befindet sich nahezu auf der sicheren Seite".

In unserem Monatsschwerpunkt "Familie & Volksfreund - Ernährung" lesen Sie in der kommenden Woche, welche Ernährung in welchem Alter sinnvoll ist. Extra: Tipps der dGE


1. Lebensmittelvielfalt genießen: Das heißt Abwechslung sowie viele pflanzliche Lebensmittel.
2. Reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln: Mindestens 30 Gramm Ballaststoffe sollen es täglich sein.
3. Gemüse und Obst - Nimm fünf am Tag: Mit fünf Portionen, frisch, kurz gegart oder als Smoothie, zu jeder Haupt- und als Zwischenmahlzeit sind Sie optimal versorgt.
4. Milch und Milchprodukte täglich, Fisch einmal in der Woche, Fleisch, Wurst und Eier in Maßen: Essen Sie nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche, und bevorzugen Sie fettarme Produkte.
5. Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel: Wer zu viel Nahrungsfett zu sich nimmt, fördert Übergewicht. 60 bis 80 Gramm Fett pro Tag reichen aus.
6. Zucker und Salz in Maßen: Vermeiden Sie Zucker, und würzen Sie kreativ mit Kräutern und Gewürzen.
7. Reichlich Flüssigkeit: Trinken Sie 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag, bevorzugt Wasser mit oder ohne Kohlensäure.
8. Schonend zubereiten: Garen Sie bei niedrigen Temperaturen, kurz, mit wenig Wasser und Fett.
9. Zeit nehmen und genießen
10. Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben:
Vollwertige Ernährung 30 bis 60 Minuten Bewegung und Sport pro Tag helfen und auf das Gewicht zu achten, aber auch, wenn Sie zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren. Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)Extra: Salz

Die Deutschen essen zu salzig. Laut Bundesernährungsministerium überschreiten 75 Prozent der Männer und 70 Prozent der Frauen täglich die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene Menge von sechs Gramm Salz am Tag. Das erhöht das Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, mit 40 Prozent die häufigste Todesursache in Deutschland. Vor allem in Brot, Fleisch, Wurst und Käse ist zu viel Salz. Verbraucherschützer raten zum Ampelcheck, ein Kärtchen, mit dem man nicht nur Zuckerbomben entlarven sondern Salzmengen vergleichen kann.  www.ampelcheck.de