Mehr Bienen in den Garten: Antworten aus unserer Telefonaktion.

Garten : Vom Steingarten zum Bienenparadies

Für ein Mehr an Summen, Brummen und Krabbeln: Die TV-Leser haben unseren Garten- und Insektenexperten Fragen zum Thema „Bienenfreundlicher Garten“ gestellt. Eine Auswahl.

Ich hätte unter unseren Obstbäumen gerne eine blühende Wiese, so, wie man sie früher hatte. Auch so, dass Vieh das Heu dann fressen kann. Zu welchen Pflanzen raten Sie mir?

Kathrin Hofmeister, Diplom-Kulturwirtin und Gartenjournalistin aus Speicher: Empfehlenswert sind Wiesenkerbel, Wiesenstorchschnabel,  Wiesensalbei, Bocksbart und viele Kleearten wie der Rotklee. Sie können im Frühjahr mit Zwiebelblumen wie Narzissen und Elfenkrokussen starten, da die Hummelkönigin früh, bereits bei Temperaturen leicht über null Grad, fliegt. Wenn das Vieh das Heu fressen soll, sollten Sie darauf achten, dass nicht zu viel Hahnenfuß drin ist.

Ich möchte gerne mit der Imkerei anfangen. Was bieten Sie an?

Matthias Rettig, Agraringenieur und Imker aus Trier: Einmal jährlich biete ich einen ganztägigen Schnupperkurs an, ebenso gibt es eine Arbeitsgemeinschaft „Ich werde Imker“. Dort treffen sich angehende Imker, die meist auch ein Bienenvolk erwerben. Sie betreuen das Volk bei mir vor Ort. Das heißt, die Kästen bleiben erst einmal bei mir stehen, und die Neu-Imker kümmern sich unter meiner Anleitung um die Bienen. Wenn sich die Imker sicher fühlen, nehmen sie ihre Bienen mit nach Hause, in der Regel nach ein, zwei Jahren. Übrigens interessieren sich immer mehr Frauen für die Imkerei.

Kann man Bienen auf dem Balkon halten?

Rettig: Ja. Die Bienen müssen gut an- und abfliegen können und sollten relativ ungestört stehen.

Inwieweit sind Elektrosmog und Handystrahlen für die Probleme von Bienen verantwortlich?

Rettig: Es gab Forschungen zu dem Thema, doch die Ergebnisse waren nicht eindeutig. Aber ich teile die Besorgnis, und wünsche mir, dass dieses Thema mehr in den Fokus der Wissenschaft und des öffentlichen Interesses rückt.

Kommen für den bienenfreundlichen Garten nur heimische Pflanzen infrage?

Hofmeister: Entscheidend ist, ob die fremden Pflanzen in der heimischen Flora nahe Verwandte haben. Zum Beispiel gibt es eine Rainfarnmaskenbiene, eine Wildbiene, die bräuchte den Rainfarn, der in unserer heimischen Flora vorkommt. Aber sie geht genauso gerne auf die Goldgarbe, die ursprünglich aus dem Kaukakus zu uns kam, und die man früher oft im Bauerngarten fand. Wenn man an den Balkon denkt, wird zurzeit gerne der Storchschnabel (Rozanne), eine Züchtung, die besonders lange blüht, genommen. An ihn gehen die Insekten auch gerne ran.

Wir haben vor dem Haus einen Steingarten mit fünf Grasbüscheln. Ich bereue die Gestaltung mittlerweile und möchte den Vorgarten wieder bienenfreundlicher herrichten.

Hofmeister: Ja, jeder Einzelne kann was tun, einen kleinen Beitrag leisten. Schaffen Sie eine Blütenoase. Das Problem der Steinschüttgärten ist, dass der Boden durch das unterlegte Vlies leblos wird. Bevor Sie pflanzen, sollten Sie erst das Vlies entfernen. Ideal wäre, eine Bodenprobe machen zu lassen, um feststellen zu können, was dem Boden fehlt. Im nächsten Schritt sollte der Boden dann für die Pflanzung vorbereitet werden.

Macht es Sinn, ein Insektenhäuschen aufzuhängen und Hecken zu pflanzen?

Hofmeister: Rund zwanzig Prozent der Wildbienen nutzen ein Insektenhäuschen, die meisten bauen ihre Brutkammern in natürlichen Ritzen. Durch Hecken schaffen Sie im Garten ein Kleinklima,  das bedeutet, Sie schaffen Schutz vor Winden und Kälte. Bienen halten sich gerne auf, wo es warm und geschützt ist. Dort können Sie auch gut sogenannte Totholzhaufen unterbringen, auch zufällige Biotope lieben Bienen.

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