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Mein Recht

Dr. Stefan Schatz. Foto: Privat
Dr. Stefan Schatz. Foto: Privat
Scheidung ist nicht nur eine emotionale Belastung für die gesamte Familie. Sie hat auch finanzielle Auswirkungen.

Was viele Betroffene nicht wissen: Nach einer Scheidung müssen Zahlungen zum Zugewinn geleistet werden, wenn die Ehepartner im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben. Sinn und Zweck des Zugewinnausgleichs besteht darin, den während der Ehe gemeinsam erwirtschafteten Vermögenszuwachs nach der Scheidung zur Hälfte auf beide Ehegatten zu verteilen. Maßgeblich für den Vermögenszuwachs ist das Datum der Eheschließung und der Tag der Zustellung des Scheidungsantrags. Hat sich das Vermögen seit dem Tag der Trennung bis zum Tag der Zustellung des Scheidungsantrags übermäßig verringert, kann der Ehepartner hinterfragen, wofür das Geld ausgegeben wurde. Einen Zugewinn gibt es nur, wenn das Endvermögen höher ist als das Anfangsvermögen. Hat sich das Vermögen im Lauf der Ehe verringert, findet kein Ausgleich des Verlustes statt. War ein Ehepartner bei Eheschließung verschuldet und wurden diese Schulden während der Ehe getilgt, so sind sie bei Berechnung des Vermögenszuwachses als negatives Vermögen zu berücksichtigen. Ein Beispiel: Ein Ehemann geht mit 30 000 Euro Schulden in die Ehe. Die Ehefrau hat weder Schulden noch Vermögen. Dem Ehemann gelingt es, während der Ehe seine gesamten Schulden zu bezahlen. Die Ehefrau spart 30 000 Euro an. Bei Zustellung des Scheidungsantrags verfügt sie über ein Vermögen von 30 000 Euro, der Ehemann hat ein Vermögen von null. Da der Ehemann seine Schulden abbauen konnte, hat er wie die Ehefrau einen Zugewinn von 30 000 Euro. Die Ehefrau muss keinen Ausgleich zahlen. Der Autor ist Rechtsanwalt in der Kanzlei Bomm-Schatz Rechtsanwälte, Trier. Anwälte, die sich auf bestimmte Rechtsgebiete spezialisiert haben, nennt Ihnen auf Anfrage die Rechtsanwaltskammer Koblenz unter der Telefonnummer 0261/30335-55. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne