MEINE FAMILIE

Eltern fragen: Unsere sechsjährige Tochter Julia (Einzelkind) ist ein sehr reges, aufgewecktes Kind. Mein Mann ist ganztägig, ich bin halbtags berufstätig.

In letzter Zeit bemerke ich, dass mir besonders am späteren Nachmittag die ständige Fragerei von Julia langsam zu viel wird. Ist es denn normal, wenn ein Kind in ihrem Alter den Eltern "ein Loch in den Bauch" fragt? Und Julia hat auch noch die Angewohnheit, dass sie sich häufig nicht mit einer Antwort begnügt. Ich werde besonders in Situationen, in denen ich keine Antworten auf ihre Fragen weiß, recht schnell ungeduldig. Haben Sie einen Vorschlag, wie ich damit besser umgehen kann? Die Expertin antwortet: Zu Ihrer ersten Frage: Ja, der Wissensdrang von Kindern - gerade auch im Alter von Julia - ist unerschöpflich. Diese Fragerei kann für Eltern gelegentlich anstrengend sein. Natürlich versuchen Eltern, möglichst jede Frage korrekt und umfassend zu beantworten. Da sind aber so manches Mal die eigenen Wissensgrenzen schnell erreicht: Kindgerechte Antworten auf Fragen wie "Wie funktioniert das Telefon?" oder "Wie kommen die Bilder ins Fernsehgerät?" zu geben, fällt den meisten Erwachsenen nicht leicht. Setzen sie sich nicht unter Druck, denn Sie müssen nicht auf jede Frage sofort eine Antwort wissen! Sie sollten es bei solchen Fragen aber nicht bei einem "Das weiß ich nicht" belassen, sondern sich möglichst zeitnah zusammen mit Julia auf die Suche nach der richtigen und altersgerechten Antwort machen. Dazu können Sie Ihren Mann, Freundinnen, Nachbarn oder Freunde befragen oder aber ein Kinder-Lexikon (beispielsweise die "Was ist was" - Reihe) und das Internet zur Hilfe nehmen. Und bei Fragen zu Ihrer eigenen Vergangenheit können Julias Großeltern bestimmt Fragen beantworten, wenn Sie sich selbst nicht mehr an bestimmte Situationen oder Ereignisse erinnern können. Zeigen Sie Julia, dass auch Sie nicht allwissend sind, und nehmen Sie Julias Fragen als deutliches Zeichen dafür, dass sie das Leben, die Natur und die Menschen verstehen möchte! Und dass sie dabei Ihre Unterstützung wünscht. Altersgerechte Antworten berücksichtigen die kindliche Perspektive. Wenn Ihnen das gelingt, dann wird aus dem Frage-Antwort-Spiel ein Dialog, der über die eigentliche Frage hinausgeht. Eltern fragen - Experten antworten: Jeden Donnerstag beantwortet Birgit Storr vom "Arbeitskreis neue Erziehung" an dieser Stelle Elternfragen. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Berlin ( www.ane.de) ist vor allem durch seine Elternbriefe bekanntgeworden, die in zahlreichen Kommunen deutschlandweit an junge Eltern versandt werden. Sie haben eine Frage an Birgit Storr? Mailen Sie an familie@volksfreund.de. Die Antwort im Blatt erfolgt anonym. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne