Mit Katheter und Strom gegen Krebs

Mit Katheter und Strom gegen Krebs

Speiseröhrenkrebs ist oft tödlich. Das Klinikum Mutterhaus in Trier bietet als erste Klinik in der Region ein neues und für die Patienten schonendes Behandlungsverfahren an.

Trier Chronisches Sodbrennen, Heiserkeit und Husten sind nicht nur lästig. Solche Beschwerden können auch Vorzeichen für einen gefährlichen Speiseröhrenkrebs sein. "Die Zunahme des sogenannten Barrett-Karzinoms, das vor allem bei chronischem Sodbrennen auftritt, ist beängstigend", sagt Dr. Viola Müller, leitende Oberärztin im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen. Weil die Überlebensrate bei Speiseröhrenkrebs nur bei etwa 17 Prozent liege, sei es besonders wichtig, die Vorstufen dieser Tumorerkrankung, die Barrett-Schleimhaut, frühzeitig zu erkennen. "Nur so kann die Entstehung des Tumors vermieden werden."
Als besonders effektive und für die Patienten schonende Behandlung, um die geschädigte Schleimhaut in der Speiseröhre zu entfernen, hat sich das sogenannte BarrX-Verfahren (Radiofrequenzablation) erwiesen. Dabei wird den Patienten bei einer etwa 20-minütigen endoskopischen Untersuchung der Speiseröhre die bösartige Schleimhaut entfernt (siehe Info).
Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Erwin Rambusch hat die Gastroenterologin Viola Müller seit Juni 2016 dieses bislang in nur wenigen Krankenhäusern in Deutschland angewendete Verfahren erprobt. "Wir sind so davon überzeugt, dass unser Haus nun das 25 000 Euro teure Spezialgerät dafür gekauft hat", sagt Rambusch.
Wie gering die Nebenwirkungen einer solchen Behandlung sind, kann der 81-jährige E. Schneider aus Trier bestätigen. Seinen Vornamen wolle er nicht genannt sehen.
Schneider war einer der ersten Patienten im Mutterhaus, bei dem eine bösartig veränderte Schleimhaut mit Hilfe des Ballonkatheters und hochfrequenter Radiowellen kontrolliert verödet und danach abgetragen wurde. "Ich habe davon nichts gespürt", sagt der Senior. "Auch danach nicht." Er habe in der Zeit vor der bei einer Magenspiegelung entdeckten krankhaften Veränderung der Speiseröhre auch kein Sodbrennen verspürt. "Allerdings hatte ich früher häufig Probleme damit. Da standen die Tabletten immer auf dem Nachtschränkchen."
Für Ärztin Viola Müller ist das nicht überraschend. "Manche Leute empfinden den Reflux, also das Zurückfließen der Magensäure in die Speiseröhre, gar nicht." Das könne auch deshalb dramatische Folgen haben, weil es für Tumorerkrankungen von Magen und Speiseröhre keine gesetzliche Vorsorge gebe, wie etwa für Darm, Brust oder Prostata.
Auch Erwin Rambusch, der Leiter der Gastroenterologie im Mutterhaus, sieht das kritisch. "Wenn ein Patient zu uns kommt, der nicht mehr schlucken kann, ist es oft zu spät", sagt er. Dicke Männer seien eher betroffen als schlanke Frauen. Alles, was Säure im Magen hervorrufe, könne eine Erkrankung begünstigen. "Allerdings gebe es auch genetische Veranlagungen. Grundsätzlich rät Rambusch zu Wachsamkeit. "Bei klassischem Sodbrennen, Heiserkeit, Husten und Schluckbeschwerden sollte man sich untersuchen lassen."
Wer sich für die neue Behandlungsmethode entscheidet, muss für vier Tage ins Krankenhaus. In 70 Prozent der Fälle ist bereits die erste Behandlung mit dem 3000 Euro teuren Spezialkatheter erfolgreich, der nur für einen Eingriff genutzt werden kann. Nach Angaben von Viola Müller und Erwin Rambusch ist nach spätestens zwei bis drei Behandlungen bei neun von zehn Patienten keine Barrett-Schleimhaut mehr nachweisbar und damit das Krebsrisiko gebannt. Das gesunde Gewebe bildet sich innerhalb von sechs bis acht Wochen nach der Behandlung neu aus.
Die Endoskopie-Abteilung des Klinikums Mutterhaus Mitte in Trier ist Teil des Onkologischen Zentrums. Jährlich werden dort mehr als 6000 Untersuchungen vorgenommen. Umfassende Informationen dazu gibt es im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.endoskopiezentrum-trier.de" text="www.endoskopiezentrum-trier.de" class="more"%>
Extra: FRÜHERKENNUNG VON SPEISERÖHRENKREBS


In jedem Jahr erkranken in Deutschland etwa 8000 Männer und 3100 Frauen an einem Speiseröhrenkrebs. Dieser Tumor gehört zu den gefährlichsten, denn die Überlebensrate fünf Jahre nach der Diagnose liegt derzeit lediglich bei etwa 17 Prozent. Anzeichen für eine Erkrankung können regelmäßig auftretendes Sodbrennen, Heiserkeit, Husten und Schluckbeschwerden sein. Vor allem das sogenannte Barrett-Karzinom, das oft bei chronischem Sodbrennen auftritt, hat zugenommen. Ein schonendes Behandlungsverfahren dafür ist die Radiofrequenzablation. Bei dieser auch als BarrX-Verfahren bezeichneten Behandlung wird über einen aufblasbaren Ballon die bösartig veränderte Schleimhaut in der Speiseröhre mit Strom verödet und danach abgeschabt. Bei 90 bis 95 Prozent der behandelten Patienten ist danach keine Barret-Schleimhaut mehr nachweisbar und damit das Krebsrisiko gebannt.

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