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Mit Wodka und Pillen ins Koma

Mit Wodka und Pillen ins Koma

Alkohol ist gesellschaftsfähig. Bei vielen gilt er nicht als Droge. Vor allem Jugendliche unterschätzen die Gefahr des regelmäßigen Trinkens. Die derzeit laufende bundesweite Suchtwoche macht auf die Problematik aufmerksam.

Trier. "Alkohol ist dein Sanitäter in der Not. Alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot." So sang Herbert Grönemeyer einst in den 80er Jahren.
Für viele Jugendliche ist Alkohol auch heute noch Fallschirm und Rettungsboot. Es sei nicht selten, dass Kinder mit 13 oder 14 Jahren anfangen, regelmäßig zu trinken, berichtet Heinz Fichter. Der 52-Jährige leitet bei der Alkoholiker-Selbsthilfeorganisation Kreuzbund den Regionalverband Trier und kümmert sich dort vor allem um Jugendliche. Fichter weiß, wovon er spricht. Er hat selbst als Zwölfjähriger angefangen zu saufen, wie er selbst sagt. Sechs Flaschen Bier am Tag sei keine Seltenheit gewesen. Mehr als einmal habe er sich damals ins Koma gesoffen. "Nur hat das damals noch keiner Komasaufen genannt", sagt Fichter. Die Jugendlichen heute seien nicht schlimmer als die früher. Die wenigsten würden nur Alkohol trinken. Viele nähmen auch illegale Drogen, wie Amphetamin. "Wir haben früher gesoffen und gekifft", sagt Fichter. Etwas habe sich aber doch geändert: "Früher haben wir überwiegend Bier gesoffen. Heute dröhnen sie sich mit Wodka zu."
Fichter vermittelt den Jugendlichen, die zu ihm kommen, dass sie auch ohne Alkohol gut gelaunt sein und ihre Probleme bewältigen können. So habe er vergangenes Jahr mit seiner Gruppe gemeinsam ein Spiel der Fußball-Europa-Meisterschaft beim Public-Viewing geschaut - "ohne Alkohol". "Für manche war es eine ganz neue Erfahrung, sich am nächsten Tag noch daran erinnern zu können."
So können Eltern ihren Kindern helfen, nicht zu Alkoholikern zu werden:


Trinkt ein Jugendlicher regelmäßig Alkohol, sollte dies weder verharmlost noch übermäßig dramatisiert werden. Eltern sollten versuchen herauszufinden, ob ihr Kind bis zum Rausch trinkt.
Alkoholgebrauch im Zusammenhang mit Schulproblemen oder Stress kann auf eine Suchtgefährdung hinweisen. Dann sollten Eltern und Kinder gemeinsam zu einer Beratungsstelle gehen.
Eltern sollten mit ihren Kindern im Gespräch bleiben. Sie sollten ihnen signalisieren, dass sie offen sind für ihre Fragen und Probleme.
Eltern sollten Vorbild sein und ihren Kindern vorleben, dass man nicht täglich Alkohol konsumieren muss und dieser nicht dafür da ist, Stress abzubauen. wie
Im Rahmen der bundesweiten Suchtwoche finden auch in der Region verschiedene Aktionen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen statt. Am kommenden Freitag beraten Experten am TV-Telefon zum Thema Sucht.