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Nachbericht Telefonaktion: Augenkrankheiten

Telefonaktion : „Ich habe ,Mücken‘ vor den Augen“

Heiße Drähte bei der TV-Telefonaktion: Drei Augenärzte beantworteten viele Fragen unserer Leserinnen und Leser zum Thema „Netzhautablösung“.


Ich leide an einer altersbedingten trockenen Macula-Degeneration. Wie kann das behandelt werden?

Dr. med. Joachim Berg, Facharzt für Augenheilkunde in Trier: Leider kann die trockene Macula-Degeneration noch nicht geeignet behandelt werden, anders ist dies bei der feuchten Macula-Degeneration. Doch es wird sehr aktiv geforscht und es ist zu hoffen, dass es in absehbarer Zeit auch Medikamente für dieses Krankheitsbild geben wird. Dass Betroffene erblinden, ist eher selten eine Spätfolge.

 

Ich habe „Mücken“ vor den Augen“. Was kann das sein?

Berg: Hier handelt sich wohl nicht um eine Netzhautveränderung, sondern um altersabhängige, feine Eiweißablagerungen in dem vor der Netzhaut gelegenen Glaskörper. Tritt das Symptom frisch auf, sollten Sie zum Arzt gehen, insbesondere, wenn Sie zusätzlich Blitze am betroffenen Auge wahrnehmen. Doch meist haben diese, auch „Mouches volantes“ genannten Veränderungen, keinen Krankheitswert und werden nicht behandelt.

 

Bei mir wurde Parkinson diagnostiziert. Bin ich Risikopatient für eine Netzhautablösung?

Dr. med. Andreas Künster, Facharzt für Augenheilkunde und Inhaber des Augenzentrums Mittelmosel-Hunsrück sowie Belegarzt im Krankenhaus Bernkastel und Zell: Wenn keine Risikofaktoren wie beispielsweise eine Netzhautablösung bei Blutsverwandten, eine hohe Kurzsichtigkeit oder Symptome wie Blitzen und „Mouches volantes“ bestehen, haben Sie kein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung.

 

Ich bin 71 Jahre alt und hatte im Frühjahr Corona. Seitdem sehe ich schlechter. Der Augenarzt hat eine epiretinale Gliose, also ein Häutchen an der Netzhautoberfläche festgestellt. Ich habe erst im November einen OP-Termin. Ist das früh genug und handelt es sich um eine Netzhautablösung?

Künster: Eine klassische, sogenannte rhematogene Netzhautablösung ist durch ein Loch in der Netzhaut bedingt. Bei einer epiretinalen Gliose kommt es zur Bildung einer bindegewebigen Membran, die an der Netzhaut zieht, und zu einer Verdickung der Netzhaut, zu einer Verschlechterung des Sehens und zu Verzerrtsehen (Metamorphopsien) führen kann.

Durch einen sogenannten glaskörperchirurgischen Eingriff (Vitrektomie mit Membranpeeling) kann die feine Membran von der Netzhaut gelöst werden. Die Operation muss – anders als bei einer klassischen Netzhautablösung - nicht unmittelbar erfolgen. Zwei bis drei Monate abzuwarten, ist möglich. Nach der OP kann es bis zu einem Jahr dauern, bis die Sehkraft maximal möglich wieder hergestellt ist und das Verzerrtsehen zurückgegangen ist. Wie lange es dauert, kommt auf die Schwere des Ausgangsbefundes an.

 

Bei mir wurde eine Netzhautablösung diagnostiziert. Der Arzt sagt, man müsse das Auge einmal jährlich untersuchen, da der Prozess langsam fortschreiten könne. Ich bin irritiert, dass weiter nichts passiert. Eine Netzhautablösung ist doch ein Notfall, die mein Sehvermögen bedroht.

Dr. med. Johannes Luttke, Facharzt für Augenheilkunde, Chefarzt der Abteilung für allgemeine Augenheilkunde und Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums für Augenheilkunde am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier: Wahrscheinlich liegt ein Missverständnis vor. Der Augenarzt hat wohl eine sogenannte Netzhautspaltung (Retinoschisis) festgestellt, die das Sehvermögen nur gering bedroht. Da dennoch eine Gefahr ausgeschlossen werden muss, soll jährlich kontrolliert werden.

 

Seit heute Morgen sehe ich Blitze und eine Art Flusen und rote Flocken, wie an einem Band aufgehängt. Was kann das sein?

Luttke: Es handelt sich höchstwahrscheinlich um eine Einblutung in den Glaskörperraum, kleine Netzhautschädigungen oder durch Glaskörperzug entstandene Blitzwahrnehmungen mit Flusensehen. Gehen Sie morgen zu einem Augenarzt und stellen Sie sich zur Netzhautspiegelung vor!


Wegen eines Netzhautloches wurde ich an der Netzhaut operiert, aber ich sehe immer noch Blitze. Ist das normal?

Luttke: Das Blitzesehen wird durch eine mechanische Reizung der Netzhautoberfläche verursacht und ist als solches nicht krankhaft. Es kann aber ein Warnzeichen für eine auf die Netzhaut ausgeübte Zugwirkung sein, die unter Umständen ein Netzhautloch reißen kann. Daher sind regelmäßige, je nach Intensität der Wahrnehmungen auch häufige augenärztliche Kontrollen ratsam.