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Nachgefragt: Was Eltern jetzt über den Restart in der Schule wissen wollen

TV-Telefonaktion : Corona und Schule: Auch Raum für Gefühle zulassen

Zurück im Klassenzimmer: Expertinnen beantworten Leserfragen bei der Telefonaktion des Trierischen Volksfreunds.

Für Schulen, Kinder und Lehrer ist der Neubeginn zum Unterricht im Klassenzimmer nicht einfach. Und die Eltern machen sich Sorgen, wie die TV-Telefonaktion zeigt:


 Meine Tochter, 11, ist in der fünften Klasse und eigentlich gut in der Schule. Seit ein paar Wochen klagt sie über heftige Kopfschmerzen beim Lernen zu Hause. Sie schläft auch schlecht. Der Kinderarzt kann organisch nichts feststellen, aber es wird nicht besser. Ich weiß nicht, wie wir damit umgehen sollen.

Dr. Kerstin Sperber, Diplom-Psychologin und Leiterin des Kompetenzzentrums für angewandte pädagogische Psychologie – kurz KAP – in Trier (Schwerpunkt Hochbegabung): Es ist gerade erst ein paar Wochen her, dass wir alle komplett aus unseren Alltagsroutinen katapultiert worden sind und mit vielen beängstigenden Informationen umgehen müssen. Das muss alles erst einmal bewältigt werden und braucht Zeit. Neben dem Lernen braucht es auch Raum für Gefühle. Beantworten Sie Angst, Unsicherheit, Wut oder Frust nicht nur rational, sondern schaffen Sie einen positiven Ausgleich auf der Gefühlsebene: viel kuscheln, zusammenspielen, vorlesen, gemeinsam die Lieblingsmusik des Kindes hören oder kochen. Erzählen sie sich zwischendurch, wofür sie trotz der Corona-Krise dankbar sind. Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit, auch ohne Worte, und ein Nest, in dem es emotional auftanken kann. Unsere Widerstandskräfte sind zurzeit sehr stark gefordert. Im Sport ist es selbstverständlich, den Körper nach einem anstrengenden Wettkampf erst einmal zu regenerieren bevor es zur nächsten Herausforderung geht. Hilfreich könnte für Ihre Tochter sein, ein Kopfschmerz-Tagebuch zu führen: Wann genau treten die Kopfschmerzen auf? Wie ist der Schmerz? Was tut Ihre Tochter dann, was denkt und fühlt sie? Wie reagieren Sie? Wichtig wäre auch, zu überlegen, welche Ansprüche ihr Kind an sich selbst stellt. Kommunikation innerhalb der Familie kann ein Schlüssel sein, Techniken dazu kann man gut erlernen, auch Entspannungstechniken. Lassen Sie sich idealerweise fachlich beraten. Im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen etwa wird derzeit ein kostenfreies Modellprojekt für von Kopfschmerz geplagte Kinder, Jugendliche und deren Eltern angeboten.

Ich bin 16 Jahre alt und Lernen war noch nie mein Ding. Aber jetzt in der Corona-Zeit geht gar nichts mehr. Zu Hause wird dauernd darüber gestritten, die Nerven liegen blank. Meine Mutter meinte beim letzten Krach heute, ich soll mich jetzt mal selbst kümmern. Da habe ich von der Telefonaktion gelesen und dachte, ich rufe mal an.

Sperber: Toll, dass Du anrufst! Lass uns einmal überlegen, was das Lernen in Corona-Zeiten besonders macht: Aufgaben und Erklärungen bekommst Du wie immer von Deiner Schule, aber Taktung und Rahmen musst Du Dir nun selbst geben. Mit dieser Freiheit gilt es umzugehen – und das muss man üben. Du solltest erst das „Drumherum“ angehen, was leider oft vergessen wird. Nimm Dir Zeit, um einen Tages- oder Wochenplan zu erstellen. Trage dort die Schulaufgaben und die konkreten Ziele ein, die mit einer Aufgabe verknüpft sind. Zudem wen Du bei Bedarf fragen könntest und wie Du Dich belohnst, wenn Du Teilschritte geschafft hast und wie Du Dich während schlechter Phasen disziplinierst. Es gibt zahlreiche Tipps, die das Lernen leichter machen: Beispielsweise ist es wichtig, ungestört zu sein – Handy aus – und an einem aufgeräumten, gut strukturierten Arbeitsplatz zu sitzen. Durcheinander auf dem Tisch verstärkt Durcheinander im Kopf. Wer Erfolg haben möchte, sollte Kopf, Herz und alle Aufmerksamkeit auf das Thema richten. Halbherziges Lernen bedeutet Wiederholungsschleifen, Streit und Stress. Auch ein Austausch ist wichtig: Digitale Lerngruppen sind gut, aber erst nach einer Phase der selbstständigen Auseinandersetzung mit dem Stoff. Zwischen Selbst-Lern-Phase und Austausch sollte eine Pause von etwa 20 Minuten liegen. Apropos Pausen: Plane sie ausreichend ein, denn der Kopf braucht genauso wie der Körper nach Anstrengung Ruhe. Es ist gut, dass Du Dich selbst um Dein Lernen kümmerst und nicht Deine Mutter. Sie kann Dich gerne begleiten, ist aber nicht für alles verantwortlich. Zuständig bist Du und Deine Lehrpersonen. Vielleicht stimmt Ihr Euch ab, wie Ihr beide Euch diese Unterstützung wünscht. Und bevor es zum Streit kommt, gehe lieber zehn Minuten um den Block. Übrigens: Genauso wichtig wie Hausaufgaben sind Spaß, Spiel, Musik und Bewegung.


Unser Sohn ist in der fünften Klasse und hat keine Lust, seine Hausaufgaben im Homeschooling zu machen. Was können wir tun?

Andrea Windau, Schulsozialarbeiterin an der Grundschule in Trier-Ruwer von der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V. in Trier: Legen Sie eine Tagesstruktur und ein Tagesziel fest. Ihr Sohn sollte aufstehen und zu Bett gehen wie zur „normalen“ Schulzeit und zu festen Zeiten Hausaufgaben machen. Bieten Sie ihm Unterstützung an, aber achten Sie darauf, dass Sie erst aktiv werden, wenn Ihr Kind Fragen stellt. Wichtig ist auch, dass Kinder sich draußen bewegen und mit Freunden über Skype oder Telefon in Verbindung bleiben.

Werden die Kinder zum Schuljahr 2020/2021 eingeschult?

Windau: Ja, nach momentanem Stand werden schulpflichtige Kinder eingeschult. Allerdings kann es sein, dass die Einschulung in anderer Form stattfindet. Vorstellbar wäre eine Einschulung an unterschiedlichen Tagen und dass auf eine große Einschulungsfeier mit allen Erstklässlern verzichtet wird. Aber sicher werden die Lehrkräfte den Kindern einen schönen, unvergesslichen Tag bereiten. Eltern sollten Informationen, die von den Schulen herausgegeben werden, abwarten und Grundschulen stehen Eltern bei Fragen zur Verfügung.