1. Nachrichten
  2. Mehrwert

Nicht nur der grenzenlose Spaß

Nicht nur der grenzenlose Spaß

Urlaub alleine, ohne Eltern: Neben viel Spaß und Freiheit bedeutet das auch viel Verantwortung. Denn geht etwas schief, sind die Jugendlichen selbst am Zug. Egal ob man mit Freunden oder auf eigene Faust loszieht: Die Eltern müssen dem Urlaub in jedem Fall zustimmen.

Köln/Berlin. Irgendwann wird für viele Teenager der Urlaub mit den Eltern lahm. Viel cooler ist es stattdessen, mit Freunden zu verreisen. Urlaub ohne die Eltern ist aber nicht nur Spaß, sondern meist auch eine Herausforderung - Spannung und Aufregung inklusive. "Als Jugendlicher ist man mal auf sich gestellt und zeigt, dass man Verantwortung übernehmen kann", sagt Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln. Es muss aber nicht sofort der Sprung ins kalte Wasser sein, indem man ganz allein mit einem oder mehreren Freunden für ein paar Wochen im Ausland unterwegs ist. "Man kann auch mit kleineren Fahrten und Wochenendtripps ausprobieren, wie man damit klarkommt", fügt sie hinzu.

Familie und Volksfreund



Wer nicht alleine losziehen will, hat verschiedene Möglichkeiten: mit einem Freund und dessen Eltern oder mit einer Jugendgruppe. Allerdings haben die Jugendreiseveranstalter einen ganz unterschiedlichen Ruf. "Deshalb ist es wichtig, sich vorab gut zu informieren", sagt Raffauf. "Im Internet kann man beispielsweise in Foren nachlesen, was Jugendliche an Erfahrungen berichten." Gab es auf der Tour vielleicht nur Saufgelage? Wie sind die Betreuer? Und was bekommt man am Reiseziel zu sehen?

Über so etwas muss man sich keine Gedanken machen, wenn man allein oder mit Freunden fahren will. Nach Angaben des Bundesjustizministeriums in Berlin gibt es keine gesetzlichen Vorschriften, die Kindern und minderjährigen Jugendlichen verbieten, ohne Begleitung eines Erwachsenen zu verreisen. Allerdings dürfen Kinder und Jugendliche laut einer Broschüre des Ministeriums nicht allein entscheiden, ob, wie lange und wohin sie in den Urlaub fahren. Die Eltern hätten schließlich die Pflicht, ihr Kind zu beaufsichtigen und dessen Aufenthaltsort zu bestimmen. Eltern können sich nicht immer selbst um ihr Kind kümmern. "Sie sind aber dafür verantwortlich, dass notfalls andere Personen Aufsicht führen", heißt es in der Broschüre. Als Jugendlicher sollte man daher immer im Hinterkopf haben, dass die Eltern für einen von ihrem Kind verursachten Schaden aufkommen müssen.

Es sollte jedem Jugendlichen klar sein, dass ohne das Einverständnis der Eltern keine Reise möglich ist. Wer die Freiheiten eines Urlaubs ohne die Eltern haben will, muss sie daher erst davon überzeugen, dass man nicht leichtsinnig, sondern reif genug für solch eine Unternehmung ist.

"Dafür sollte man sich am besten im Alltag oder in der Schule beweisen und zeigen, dass man Verantwortung übernehmen kann, um allein klarzukommen", sagt die Erziehungsberaterin Maria El-Safti-Jütte vom Berliner Kinder- und Jugendtelefon. Außerdem sind die Eltern oft beruhigter, wenn sie mit den Eltern der mitreisenden Freunde in Kontakt stehen und die Planung der Reise mit ihnen abgestimmt wird.

Auf jeden Fall sollten Jugendliche realistisch einschätzen, was auf solch einer Reise schieflaufen und passieren kann - vor allem, wenn sie ohne erwachsene Aufsicht unterwegs sind. "Es ist wichtig, vorher auch durchzusprechen, wie man sich am besten verhält, wenn man in eine brenzlige Situation gerät, das Geld geklaut wird oder der Pass weg ist", erklärt Raffauf. "Da Minderjährige noch nicht geschäftsfähig sind, ist es hilfreich, die Unterkunft am Urlaubsort vorab zu buchen und zu bezahlen."

Konfliktsituationen einplanen!



Am besten sei es, mit Freunden zu verreisen, die man lange kennt und auf die man sich verlassen kann. Die können einen trösten, wenn doch mal Heimweh aufkommt.

"Heimweh ist eine ganz normale Sache und nichts, wofür man sich schämen müsste", sagt El-Safti-Jütte. "Es ist ja auch ein gutes Zeichen, sein Zuhause zu vermissen."

Doch selbst wenn die Freundschaft noch so eng ist, kann es im Urlaub zu Konflikten kommen. "Miteinander zu reden und versuchen, einander zu verstehen, ist dann am wichtigsten", rät die Erziehungsberaterin. "Man sollte ehrlich zueinander sein, zuhören und auch Kompromisse eingehen."

EXTRA VOLLMACHT



Ganz wichtig, wenn man nur mit Freunden oder den Eltern eines Freundes ins Ausland verreist: die Ausweiskopie eines Elternteils und eine unterschriebene Vollmacht der Eltern. "Darin sollte stehen, dass sie mit der Reise einverstanden sind, wie die Eltern zu erreichen sind, wo die Reise hingeht und wie lange sie dauert", erklärt Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln. dpa