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Garten
Nichts geht über selbst gezogene Tomaten

TV-Garten im September: Das Fruchtgemüse zählt zu den beliebtesten Kulturen im Garten und kann schnell zur gesunden Leidenschaft werden. Von Kathrin Hofmeister

Erntet Anita Adams Tomaten, landen auf dem Teller birnenförmig gelbe Früchtchen, orangefarbene Kugeln, gestreifte und schwarze Exemplare. Manche sind eingekerbte Pfundskerle, andere murmelgroße Snack-Kuller. Ein paar sehen aus wie „normale Tomaten“. Darunter versteht der Laie, was der Handel anbietet: runde rote Stab- und Cocktail-Tomaten, bestenfalls die ovale Roma. Die wenigsten wissen, dass es rund 10 000 Kultur-Tomaten-Sorten gibt.

Um die 20 Sorten dieser Vielfalt zieht die Eiflerin in ihrem Garten in Kirchweiler bei Daun. Seit sie vor 18 Jahren ihr erstes Gewächshaus bekam, hat sie weniger Probleme mit der Braunfäule. Freilandanbau ist in unseren Breiten schwierig – und das Klima der Vulkaneifel auf über 500 Meter Höhe ist erst recht nicht das, was die Sonnenkinder aus den Tropen und Subtropen des nördlichen Südamerikas bevorzugen. Während die Ernte im Freiland oft erst im August beginnt, genießt Familie Adams ihre Tomaten ab Juli und bis in den Spätherbst.

„Die länglichen Scalatone, eine ertragreiche italienische Flaschentomate, essen wir auf Brot“, verrät Anita Adams. Sie lassen sich als Scheiben schneiden und haben wenig Wasser. Die honigsüßen Cocktail-Tomaten sind ideal zum Naschen. In den Früchten stecken viele Vitamine. Ihre höchste Wirksamkeit entfalten diese bei Rohverzehr. „Unser Star ist diese gelbe Fächertomate“, sagt Anita Adams und greift nach einer reich tragenden Sorte mit mundgerechten goldgelben Früchten. Gelbe Tomaten sind mild im Geschmack, weil sie weniger Säure besitzen.

„Gut schmecken sie alle“, findet ihr Mann Ewald Adams. Denn die Tomaten aus dem eigenen Garten werden reif gepflückt. Das ist der Vorteil selbst gezogener Tomaten. Kann man den Erntezeitpunkt optimal wählen, sind die Pflanzenfarbstoffe voll entwickelt. Für den Menschen gehören gelborange Flavonoide, dunkelviolette Anthozyane und der rote Farbstoff Lycopin zu den wirksamsten Schutzstoffen. Sie fangen freie Radikale, wirken zellerneuernd und stärken die Immunabwehr. Lycopin wird erst beim Erhitzen frei gesetzt. Die Tomatensauce gerät zum Naturheilmittel.

Beginnt im September die Tomatenschwemme, kocht Anita Adams ihre Wintervorräte ein: „Dazu mische ich alle roten Sorten mit Zucchini und Zwiebeln zu Nudelsoße.“ Die Fleisch- und Stabtomaten schneidet sie in Stücke. Gelbe Cocktailtomaten lässt sie ganz. „Dann fülle ich alles in Gläser und sterilisiere die Soße im Kocher.“

Ihr Erfolgsrezept beim Anbau verrät sie gerne: Zum Wässern hat sie einen Plastiktopf an jedem Tomatenstrauch in die Erde eingelassen. Der Einfüllstutzen sorgt dafür, dass das Wasser direkt an die Wurzel gelangt. Brennnesseljauche gießt sie dagegen auf die Erde: „Kommen mir die Tomaten hungrig vor, bekommen sie das pflanzliche Stärkungsmittel in einer Verdünnung von ein zu zehn.“

Und noch einen altbewährten Gartentrick kennt sie: „Wenn die Nächte auch im Gewächshaus richtig kalt werden, stellen wir, wie im zeitigen Frühjahr, ein Grablicht unter einen Tontopf von 20 Zentimeter Durchmesser.“ Das wirke wie eine kleine Heizung. „Weil die Grablichter lange brennen, hält das drei bis vier Nächte.“ So können die Gesundfrüchte bis November geerntet werden.