Nur keine Bindungsangst

Den einen hängt die Krawatte zum Hals raus, die anderen tragen das Aushängeschild mit Stil. Im Geschäftsleben ist der Schmuck des Mannes immer noch ein Muss.

Trier. Im Kinofilm "Das Leben der Anderen" bittet Schauspieler Sebastian Koch seine Nachbarin heimlich um Hilfe beim Krawattenbinden, während seine Freundin in der Küche mit den Geburtstags-Vorbereitungen beschäftigt ist. Und James Bond darf erst dann das Chefbüro betreten, nachdem Miss Moneypenny ihm die Krawatte gerichtet hat.

Im Geschäftsleben ein Muss

Die Krawatte spielt immer wieder eine Rolle in der Traumfabrik und hat ihr den Ruf als erotisches Symbol zu verdanken. Wie sieht es mit dem Schlips im Berufsalltag aus? Arbeitnehmer sollten sich am Boss orientieren, rät ein Männermagazin. "Tragen Sie nur Krawatte, wenn der Chef es auch tut", heißt es dort. Bei offiziellen Terminen oder Treffen mit Kunden hingegen sei ein Schlips immer angebracht. Denn im Geschäftsleben sei der Schmuck des Mannes ein Muss.

Damit die geschaffene Skulptur am Hals wohlgeformt ist, sollte jeder Mann wissen, wie man sie richtig bindet: Man sollte sich aufrecht vor den Spiegel stellen. Die Krawatte sollte mit dem Blick auf den Spiegel und nicht mit dem Kopf nach unten gebunden werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie zu lang oder zu kurz gebunden wird. Die korrekte Länge reicht bis zur Gürtelschnalle. Beim Formen des Krawattenknotens mit Daumen und Mittelfinger ist dann noch einmal Feinmotorik gefragt.

Thomas Fink und Yong Mao, zwei Physiker aus dem englischen Cambridge, haben ein Buch über das Krawattenbinden geschrieben. Insgesamt beschreiben sie beachtliche 85 Methoden, von denen am Ende wiederum 13 den ästhetischen Ansprüchen genügen. Vier Standards - Four-in-hand, Windsor, Albert und doppelter Windsor - haben sich durchgesetzt, und zwei davon sollte ein Mann beherrschen.

Themenkrawatten sind tabu

Doch nicht nur in puncto Knoten gibt es eine Auswahl; auch bei der Frage, welche Farbe es sein soll, gerät das starke Geschlecht manchmal ins Schwitzen. Dabei brauchen sie sich laut Krawatten-Guide einer Männerzeitschrift keine großen Sorgen darüber zu machen: "Sie darf nur nicht absolut identisch mit Hemd und Anzug sein", heißt es dort. Auch beim Muster sei inzwischen fast alles erlaubt. Allerdings gehöre zur feinen Linie auf dem Hemd auch ein feines Krawattenmuster. Was gar nicht geht, sind Themenkrawatten. Auf der Internetseite "Krawattenknoten.Info" ist sogar von Krawattologie (aus Krawatte und Psychologie gebildet) die Rede.

Die Krawattologie besagt, dass die Krawatte viel über den Träger verrät. So etwa zeigten Männer mit grünen Krawatten Sinn für Harmonie und Ausgeglichenheit, während der Bürokrat an einem nach Methode gebundenen, täglich perfekt geometrischen Schlipsknoten zu erkennen sei. Doch soweit muss man gar nicht gehen. Hauptsache, die Bindungsangst ist längst überwunden, wenn es darauf ankommt.