Nur wenige Versicherer bieten automatische Elementarschutz

Verbraucher : Düstere Aussichten für Versicherte

Schäden durch Starkregen und Hochwasser in der Region nehmen zu, doch viele Versicherer verweigern den Schutz.

Wenn kleine Rinnsale innerhalb von Minuten zu reißenden Bächen werden und alles mit sich reißen, der Rückstau aus dem Abwasserkanal den Geist aufgibt und dreckige Brühe zurück in den Keller drängt oder Flüsse wegen Hochwassers über die Ufer treten, dann sind Heim und Hof schnell bedroht. „Da reichen 20 Minuten Stark­regen aus, um einen Schaden von Zigtausend Euro zu verursachen und zwei Monate Umbau am Haus zur Folge zu haben“, sagt Michael Wortberg, Versicherungsreferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Doch wer sich, seine Habseligkeiten und die Immobilie gegen solche Elementarschäden versichern möchte, hat mitunter schlechte Karten. Im Vergleich zu einer Untersuchung aus dem Jahr 2015 bei gut 52 bundesweit angeschriebenen Versicherern haben die Verbraucherschützer bei ihrem jüngsten Marktcheck nun herausgefunden: „Die Versicherungssituation im Bereich Starkregen und Hochwasser hat sich in unseren Augen überhaupt nicht verbessert. Und das, obwohl alle Seiten immer wieder übereinstimmend feststellen, dass die Schäden insbesondere durch Starkregen permanent steigen“, kritisiert Wortberg.

Denn auch in nichthochwassergefährdeten Gebieten sei das Risiko von Schäden durch Starkregen groß. „Niemand kann inzwischen mehr sagen, dass er niemals davon betroffen sein wird“, sagt der Verbraucherschützer.

Die Ergebnisse im Einzelnen: Nur drei von insgesamt 52 angeschriebenen Versicherern bieten in Risikogebieten von sich aus eine entsprechende Versicherungspolice gegen Schäden durch Hochwasser und Starkregen ohne Selbstbeteiligung an. Mit der erneuten Abfrage nach drei Jahren wollten die Verbraucherschützer testen, ob für Besitzer von Wohnhäusern die Versicherung gegen Elementargewalten einfacher geworden ist. Denn nur mit einem automatischen Schutz gegen Starkregen und Hochwasser im Vertrag, dem sogenannten Opt-Out-Verfahren, hat der Kunde laut den Verbraucherschützern auch einen Rundum-Schutz für sein Haus.

Sogar der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rät zu solchen Verträgen. Denn nur wer diesen Schutz nicht haben will, muss sich dann aktiv dagegen entscheiden. Doch setzen die einzelnen Versicherer dies kaum um. „Das Ergebnis ist enttäuschend“, sagt Verbraucherschützer Wortberg. 22 Versicherer hätten die Anfrage gar nicht erst beantwortet oder unklare Antworten gegeben. „Wir gehen davon aus, dass diese Gesellschaften überhaupt kein Interesse daran aben, ihren Versicherten Elementarschutz zu gewähren“, so der Versicherungsexperte.

Das Argument der Versicherer, ein solches System sei nicht finanzierbar, hält Wortberg für aus der Luft gegriffen: „Selbst in einem so kleinen Land wie der Schweiz funktioniert die Pflichtversicherung seit über 80 Jahren“, sagt er. Auch in Deutschland gab es in Baden-Württemberg etwa bis 1994 eine Pflichtversicherung bei Elementarschäden, die durch EU-weite Gesetzesvorgaben jedoch weggefallen ist.

„Eine Pflichtversicherung funktioniert wie die KFZ-Versicherung: Es gibt wenige riesige Schäden. Kommt es jedoch zum Schaden, bedeutet dies für den Einzelnen den Ruin.“ Folglich fordern die Verbraucherschützer von Politik und Versicherungswirtschaft nicht mehr über das „Ob“, sondern das „Wie“ einer Elementarschadenversicherung zu verhandeln. Und preislich hält Wortberg eine Pflichtversicherung im Rahmen von etwa 100 Euro pro Haus im Jahr für vertretbar.

Die Landespolitik ist durch die Ergebnisse der Verbraucherzentrale bereits aufgeschreckt: „Der Klimawandel verstärkt die Hochwasser- und Starkregengefahr. Umso wichtiger ist es, sich gegen diese Risiken zu versichern“, sagt die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken. Bereits vor fünf Jahren hatte das Ministerium zusammen mit dem Wirtschaftsministerium, der Versicherungswirtschaft und der Verbraucherzentrale eine Elementarschadenkampagne gestartet. „Dabei hat die Versicherungswirtschaft zugesagt, nahezu jedes Anwesen, also etwa 98 Prozent, versichern zu können. Hier besteht dringend Nachbesserungsbedarf“, fordert die Grünen-Ministerin. Sie will sich nun verstärkt auf Bundesebene für eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden einsetzen. Schließlich seien bislang in Rheinland-Pfalz erst 29 Prozent der Wohngebäude gegen Elementarschäden versichert.