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Telefonaktion
Pausenlos heiße Drähte bei der TV-Telefonaktion

Trier. Leser haben Fragen zum Kontaktabbruch durch ihre Kinder. Von Katja Bernardy

() Unser Sohn ist verstorben, und nach seinem Tod hat uns unsere Schwiegertochter den Kontakt zu unserem Enkel verboten. Kürzlich kam es zu einem Telefonkontakt mit ihm. Er sagt, er würde uns gerne sehen, doch er habe Angst, dass seine Mutter  von dem Treffen erfahren könne. Was können wir machen?

Christiane Hanke, Diplom-Psychologin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V. Trier: Versuchen Sie noch einmal, zu Ihrem Enkel Kontakt aufzunehmen und äußern Sie Ihren Wunsch nach einem gemeinsamen Treffen. Um Ihrem Enkel aber den Druck zu nehmen und ihn nicht in Loyalitätskonflikte zu bringen, können Sie hinzufügen, dass Sie verstehen können, wenn das Treffen aus Angst nicht zustande kommt. Ansonsten signalisieren Sie an Feiertagen wie Weihnachten und am Geburtstag, dass Sie an Ihren Enkel denken, indem Sie ihm Grußkarten schicken.

Meine Tochter zieht sich immer mehr zurück und entzieht uns unsere Enkelkinder. Wir machen uns Sorgen, dass ihr Mann sie zu sehr beeinflusst.

Hanke: Erst einmal müssen Sie die Entscheidung Ihrer Tochter akzeptieren, dass sie sich für ihre neu gegründete Familie entschieden hat. Suchen Sie sich professionelle Unterstützung, etwa in einer Lebensberatungsstelle, wo Sie mit Fachpersonal Handlungsstrategien entwickeln können, um mit der Situation umzugehen.

Meine Tochter hat den Kontakt zu uns abgebrochen, und ich fühle mich hilflos. Sie lehnt alle Angebote ab und meldet sich nicht mehr. Ich vermisse auch die Enkel, zu denen ich immer einen sehr guten Kontakt hatte. Ich glaube, dass es an dem neuem Partner liegt.

Ludger Brünnette, Diplom-Psychologe und Leiter der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier in Wittlich: Überlegen Sie für sich, was Ihnen wichtig ist, das ist, dass Sie zu Ihrer Tochter einen Kontakt haben können. Wenn Ihnen dieser Kontakt wichtig ist, überlegen Sie sich, dass es nur darüber geht, wenn Sie den Partner bedingungslos akzeptieren. Das Gefühl ohnmächtig zu sein und die Möglichkeit verloren zu haben, in Kontakt miteinander zu sein, ist sicherlich schwer zu ertragen und lässt einen auch als Mutter zweifeln, ob man alles richtig gemacht hat. Es ist sicher gut, sich Hilfe zu holen, um nicht in der Verzweiflung und Verbitterung zu verschwinden. Überlegen Sie aber auch, ob es andere und bisher nicht bedachte Möglichkeiten gibt, den Kontakt wieder herzustellen.

Ich kann mir den Kontaktabbruch meiner Tochter nicht erklären. Sie hat mich über alle Medien gesperrt, und jetzt hat sie sich komplett zurückgezogen. Wie kann ich das aushalten und was kann ich tun?

Brünnette: Wenn man keine Möglichkeit mehr sieht, die  Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, können Sie sie in einem Brief formulieren. Wichtig ist, so zu formulieren, dass Ihre Tochter sich nicht beschuldigt und unter Druck gesetzt fühlt. Diesen Brief kann man dann abschicken, in der Hoffnung, dass Bewegung reinkommt, kein Stillstand mehr ist. Hilfreich kann auch sein, Tagebuch zu schreiben, weil es entlastet und man dann, wenn bessere Zeiten kommen, zeigen kann, dass man im Herzen immer dabei war.