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Pikser mit Risiken und Nebenwirkungen

Pikser mit Risiken und Nebenwirkungen

Keine medizinische Behandlung ohne Nebenwirkungen: Auch Impfungen sind nicht ohne Risiko. Es gibt Todesfälle im Zusammenhang mit Schutzimpfungen. Im heutigen Teil der TV-Serie geht es um Nutzen und Gefahren des Impfens.

Impfen ist mit Nebenwirkungen verbunden. Manchmal auch mit tödlichen. Das für die Zulassung von Impfstoffen in Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat zwischen 2004 und 2005 insgesamt 58 Todesfälle registriert, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung stehen. Darunter waren 43 Kinder im Alter von zwei Monaten bis 17 Jahren, 14 Erwachsene zwischen 41 und 95 Jahren und ein Embryo, der vermutlich durch eine Impfung in der Schwangerschaft gestorben ist. Dem PEI wurden in den beiden Jahren 2630 Verdachtsfälle von Impfnebenwirkungen gemeldet. 1777 davon waren laut dem Institut schwerwiegend. Bei den restlichen habe es sich um "über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehende Schädigungen gehandelt".
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Zwischen 2001 und 2005 wurden 5959 Verdachtsfälle von Impfreaktionen gemeldet. Auffallend ist, dass die Zahl von Jahr zu Jahr höher geworden ist.
Impfkritiker nehmen solche Zahlen immer wieder zum Anlass, auf die angebliche Gefährlichkeit des Impfens hinzuweisen. "Schwere Nebenwirkungen durchs Impfen sind selten", sagt Volker Schneiders, Leiter des Dauner Gesundheitsamtes. Insgesamt seien die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe sehr sicher. Ganz auszuschließen seien Impfreaktionen aber nie. Impfreaktionen treten unmittelbar nach der Impfung auf. Zumeist handele sich dabei um leichtes Fieber, eine Reaktion an der Einstichstelle oder Quengeligkeit eines Kindes.
Es gebe keine medizinische Behandlung, die ohne Risiken sei, teilt das für die Überwachung etwa von Krankenhäusern und Pflegeheimen zuständige Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Mainz mit. In "außerordentlich seltenen Fällen" könnte eine Impfung (wie auch jede andere Injektion) eine bleibende gesundheitliche Schädigung hervorrufen, heißt es bei der Behörde. Wenn es sich bei der Impfung, durch die eine Schädigung aufgetreten ist, um eine von der Ständigen Impfkommission empfohlene Impfung gehandelt habe und kein ärztlicher Fehler oder ein Fehler des Impfstoffherstellers vorliege, übernehme der Staat die Haftung für den Impfschaden. Er übernehme alle Kosten, die im Zusammenhang mit der Behandlung und der Rehabilitation anfielen. Als Impfschaden gilt laut Infektionsschutzgesetz, "die gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch die Schutzimpfung".
Das Risiko einer Impfung sei geringer als der mit ihr verbundenen Nutzen, sagt der Dauner Amtsarzt Schneiders.
Doch wer sich im Internet informieren will übers Impfen, stößt unweigerlich auf etliche Beispiele von zum Teil erheblichen Impfschäden. Impfkritiker nehmen diese als Beweis dafür, dass Impfen schädlich ist. Man könne das nicht so allgemein behaupten, sagen hingegen die Impfbefürworter. Schwere Nebenwirkungen seien die Ausnahme. "Es wird nicht einfach so geimpft, sondern nur, wenn der medizinische Nutzen den zu erwartenden Schaden weit überwiegt", sagt Kinderarzt Lothar Maurer vom Landesverband der Kinder- und Jugendärzte. Eltern sollten sich vor einer Impfung bei ihrem Kinderarzt über Nutzen und Risiken informieren.
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Impfstoffe durchlaufen ebenso wie alle anderen Medikamente vor ihrer Einführung ein Zulassungsverfahren. Dafür müssen die Hersteller der Impfstoffe umfangreiche Studien vorlegen, um die Wirksamkeit und Verträglichkeit zu belegen. Zuständig für die Zulassung ist das Paul-Ehrlich-Institut. Nach Zulassung des Stoffes müssen alle Nebenwirkungen und damit im Zusammenhang stehenden Schäden gemeldet werden. Das Paul-Ehrlich-Institut überprüft zudem jede Charge von bereits zugelassenem Impfstoff. wieExtra

Um vermeidbare gesundheitliche Beeinträchtigungen abzuwenden, sollten Reisende ihren Impfschutz rechtzeitig vor der Abreise überprüfen lassen, rät Dr. Frank Meier-Gerwig, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Trier-Ehrang. So ist bereits bei einem Aufenthalt in bestimmten Regionen Deutschlands oder im benachbarten europäischen Ausland ein Impfschutz gegen die durch Zecken übertragbare Hirnhautentzündung FSME sinnvoll. Je nach Hygienestandard im Zielgebiet kann auch bei Reisen in den Mittelmeerraum eine Impfung gegen Leberentzündung (Hepatitis A) oder Typhus zweckmäßig sein. Je exotischer die Reise, desto umfangreicher die Impfempfehlungen. Bei Reisen in Risikogebiete ist der Aufbau eines Impfschutzes gegen Hepatitis B, eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit, die bei bis zu zehn Prozent aller infizierten Erwachsenen chronisch verläuft, ratsam. Reisende ins tropische Afrika sollten sich durch Impfung gegen eine durch Meningokokken hervorgerufene Hirnhautentzündung schützen. Ist damit zu rechnen, dass man am Zielort Kontakt zu Haustieren (vor allem Hunde) haben wird, dann sollten sich Reisende über eine Impfung gegen Tollwut beraten lassen, da diese Erkrankung unbehandelt fast immer tödlich verläuft. Hier gilt: Niemals streunende Tiere anfassen! Darüber hinaus gibt es noch weitere Möglichkeiten, sich durch Impfungen im Vorfeld einer Reise zu schützen. Ratsam ist in allen Fällen eine rechtzeitige ärztliche Beratung, in der geklärt werden kann, ob und welche Impfungen für die anstehende Reiseroute sinnvoll sind. Schließlich sollte man auch nicht unterschätzen, dass allein durch das Befolgen bestimmter Verhaltensregeln die Wahrscheinlichkeit einer Infektion oft deutlich reduziert werden kann.