Praxiswissen bewahren

Mit dem Verschwinden der Nutzgärten geht das Wissen um ihre Kultur verloren. In Eifel, Hunsrück und an der Mosel kann man sie noch finden: Gemüsegärten, die von erfahrenen Gärtnerinnen und Gärtnern bewirtschaftet werden. Von ihnen lässt sich so mancher Trick abschauen.

Karl Ernst Follmann steht zwischen den Tomatenreihen in seinem Orenhofener Garten und kontrolliert die Bindeschnüre. Rispentomaten müssen mit jedem Wachstumsschub aufgebunden werden.
Ausgegeizt hat der Eifler sie bereits regelmäßig. Vor kurzem sind die Tomaten auf der Höhe ihres Stützstabes gekappt worden. "Man soll höchstens fünf Rispentriebe stehen lassen", sagt Follmann. Alles was ab August ins Höhenwachstum geht, werde hier auf der Fidei nicht mehr reif.
Mit Regenwasser gießen


Zum optimalen Gedeihen brauchen Gemüsepflanzen viel Feuchtigkeit. Gerade bei Tomaten ist es wichtig, dass das Wasser dorthin kommt, wo es gebraucht wird. Direkt an der Wurzel stecken daher kleine Plastiktöpfe im Boden. Wie beim Einfüllstutzen für einen Kanister hat jede Tomatenpflanze ihre Gießkanüle. "In der leichten Hanglage und dem Sandboden, fließt das Wasser zudem so nicht ab", sagt Follmann. Gegossen wird mit Regenwasser. In den Auffangtonnen ist es wohltemperiert. Fließt Gießwasser kalt aus der Leitung, bedeutet das an einem Sommertag einen Schock für die aufgeheizten Pflanzen.
An jeder Ecke des Nutzgartens blühen Blumen. Stockrosen, Königskerzen, Sonnenblumen und Hibiskus ziehen Bienen und Hummeln an. Die bestäuben die Tomatenpflanzen. Der Ertrag an den auch selbstbefruchtenden Tomaten steigt. Von den Ur-Tomaten weiß man, dass sie sogar auf Fremdbestäubung durch Insekten angewiesen waren. Tomatensorten, die sich bewährt haben, versucht Follmann weiter zu vermehren. Auch von der Petersilie gewinnt er eigenen Samen und kennt keine Probleme mit der gefürchteten Petersilienwelke. Ist die Blüte in Samen gegangen, wählt man einen trockenen Tag, um die reife Saat zu ernten.
Während die ersten Samen der Saison wie Pastinake im August bereits geerntet werden, ist es für andere Zeit, ausgesät zu werden. Feldsalat gehört dazu. Früher war es an der Mosel gängig, die wild wachsenden "Mousuuren" im Weinberg zu ernten. Unregelmäßig wie im "Wingert" wächst der "Mausohrsalat" auch im Garten, wenn man ihn breitwürfig aussät. Viele Nutzgärtner finden die Kultur in Reihen praktischer. Das Hacken geht leichter von der Hand. "Dazu warte ich einen Regen ab", sagt Follmann. Auf feuchtem Boden ist Unkrautziehen und Durchhacken ein Kinderspiel. Vorausgesetzt man hat das richtige Gerät.
Koascht = Karsthacke


"Der Koascht mit den vier langen, gebogenen Zinken ist ideal zum Lockern des Bodens", führt Follmann vor. Die in der Landwirtschaft auch zum Mist Abladen benutzte Karsthacke ist noch handgeschmiedet. Nur zwischen den Tomaten kommt das Werkzeug nicht zum Einsatz. Tomatenpflanzen bilden ein dichtes Wurzelgeflecht.
Um es nicht zu schädigen, deckt man es besser mit einer Mulchschicht ab. Follmann nimmt dazu den jetzt angefallen Heckenschnitt. Auf der Auflage lässt sich zum ständigen Durchernten gut gehen.