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Preisvergleich lohnt sich immer

Preisvergleich lohnt sich immer

Anfang 2015 senken viele Stromversorger die Preise - nach 14 Jahren Preisanstieg. 35 Euro können Familienhaushalte damit im Jahr sparen. Endlich die Trendwende - oder "zu spät und zu wenig", wie Kritiker meinen?

Heinz Weinreuter ist sauer. "Die Stromversorger eiern nur rum, statt klar zu sagen, dass sie die Preise senken", fordert der Energieexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Doch wer derzeit wissen will, ob sein Stromanbieter im kommenden Jahr billiger wird, der wird nur selten eine klare Antwort erhalten. So kündigte Energieversorger RWE zwar an, die Strompreise in der Grundversorgung zu senken. Umfang und Zeitpunkt stünden aber noch nicht fest. RWE warte die Bekanntgabe der Netzentgelte am Jahresende ab.
Auch die Trierer Stadtwerke (SWT) halten sich derzeit noch offen, wie hoch die teureren Grundversorgerpreise im nächsten Jahr sein werden, auch mit Verweis auf die Netzentgelte, also das Geld, das sie für die Durchleitung des Stroms an den Netzbetreiber zahlen müssen.
Vor Frühjahr 2015 werde es für 40 Prozent der SWT-Kunden, die den Grundtarif (derzeit 28 Cent pro Kilowattstunde) haben, jedenfalls nicht billiger werden, sagt ein SWT-Sprecher, der aber darauf verweist, dass der Preis für die Grundversorgung bei den SWT "derzeit zu den günstigsten der vergleichbaren Städte in Rheinland-Pfalz" in Rheinland-Pfalz gehört. Nach Angaben des Preisvergleichsportals Verivox haben 242 von insgesamt 850 Unternehmen zum Jahresbeginn Preissenkungen im Schnitt um 2,4 Prozent angekündigt, Konkurrent Check 24 hat 179 Preissenkungen im selben Umfang erfasst - darunter große Versorger wie die Stadtwerke München, Mainova (Frankfurt) oder der ostdeutsche Großversorger EnviaM.
Der Verbraucherstrompreis liegt aktuell im Bundesschnitt bei knapp über 29 Cent pro Kilowattstunde. 30 bis 35 Euro im Jahr kann ein vierköpfiger Durchschnittshaushalt im Grundversorgungstarif nach Angaben der Tarifportale sparen. "Unserer Einschätzung nach fallen die Preissenkungen im Ganzen zu gering aus. Die Verbraucher sollten stärker entlastet werden", sagt Isabel Wendorff von Check 24 und verweist auf die gesunkenen Einkaufspreise für Strom an der Börse. Allerdings könnten regional unterschiedlich Netzentgelte die gesunkenen Beschaffungspreise durchaus "auffressen". Das sagt auch Florian Krüger von Verivox. Während etwa Netzentgelte steigen würden, würde die Ökostromumlage im kommenden Jahr von derzeit 6,24 Cent pro Kilowattstunde auf 6,17 Cent sinken. Das mache für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt gerade mal 2,80 Euro Ersparnis pro Jahr aus, sagt Krüger.
Genau wie Weinreuter rät der Verivox-Sprecher Verbrauchern genau die Preise der einzelnen Anbieter zu vergleichen. Selbst bei einer Preissenkung des derzeitigen Versorgers könne mit einem Wechsel durchaus noch Geld sparen, so Krüger.
Der sicherste Weg, Kosten zu sparen sei noch immer, den Anbieter zu wechseln, sagt auch Energieexperte Weinreuter. So könnten Kunden in der Region bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr fast 190 Euro im Jahr sparen. Weinreuter rät, das gesparte Geld in Stromsparmaßnahmen zu stecken, wie etwa den Kauf von sparsameren LED-Lampen. Pro Lampe und Jahr kann je nach Brenndauer die Ersparnis bis zu 20 Euro betragen.Extra

Die eigene Reaktion haben die Verbraucher in der Hand: Sie können den Anbieter wechseln. Vor allem das Verlassen der oft relativ teuren Grundversorgungstarife kann Einsparungen von mehreren Hundert Euro im Jahr bringen: "Anbieterwechsel spart bis zu zehn Mal mehr als sinkende Strompreise", sagt das Vergleichsportal Toptarif. Das Vergleichsportal Verivox rechnet vor: Ein Vier-Personen-Haushalt, der seinen Anbieter noch nicht gewechselt hat, spart durch einen Wechsel zum günstigsten verfügbaren Angebot derzeit durchschnittlich 345 Euro im Jahr. Noch vor fünf Jahren hätte die Ersparnis bei 185 Euro gelegen. Zum Wechseln müssen Verbraucher ein Formular mit folgen Daten ausfüllen: gewünschter Liefertermin, Zählernummer, Name des derzeitigen Versorgers, Kundennummer, Zählerstand (erst zum Zeitpunkt des tatsächlichen Wechsels). Um den Rest kümmert sich der neue Stromanbieter. Da der örtliche Grundversorger zur Belieferung mit Strom gesetzlich verpflichtet ist, besteht zu keinem Zeitpunkt Gefahr, ohne Strom dazustehen. red