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Regionale Ärzte geben Gesundheitstipps

Gesundheit : Was tun im Notfall?

Ein Patient hatte den Rettungsdienst wegen plötzlicher Schmerzen im Brustkorb gerufen. Als die ersten Untersuchungen beendet sind, erörtere ich als Notarzt kurz die weiteren Umstände: „Gibt es bei Ihnen irgendwelche Vorerkrankungen?

“, will ich wissen. „Vorerkrankungen? Nein, ich bin immer wirklich gesund gewesen“, gibt er zur Antwort. Meine folgende Frage ist immer dieselbe: „Nehmen Sie regelmäßig irgendwelche Medikamente ein?“ – „Ja, Herz-ASS, Ramipril und Insulin für meinen Diabetes.“ Wie kommt es zu dieser Antwort? Leidet der Patient etwa unter beginnender Demenz? Nein, denn eine Notfallsituation ist für jeden eine emotionale Ausnahmesituation. Da sind plötzlich viele fremde Menschen, vielleicht gibt es Schmerzen und die Ungewissheit, wie es weiter geht. Lassen Sie uns einen kleinen Blick auf etwas werfen, was wir uns alle nicht wünschen: Es geht um Vorsichtsmaßnahmen für den plötzlichen Fall, dass man auf fremde Hilfe angewiesen ist. Ich möchte sie jetzt keinesfalls auf eine mögliche Coronavirus-Infektion mit Intensivbehandlung vorbereiten. Doch die folgenden kleinen Dinge erleichtern die Notversorgung ganz allgemein in großem Maße. Sollten Sie, oder Ihre Lieben, regelmäßig Medikamente einnehmen, empfiehlt es sich, den Medikamentenplan immer greifbar zu haben. Auch eine Kopie des letzten Entlassbriefes ist hilfreich, da dort üblicherweise Ihre Nebenerkrankungen auf einen Blick ersichtlich sind. Dies erleichtert auch dem Aufnahmearzt die Erörterung ihres bisherigen Gesundheitszustandes. Einen Ausweis über mögliche Allergien, Unverträglichkeiten oder Blutverdünnung sollten Sie schnell zur Hand haben. Auch eine greifbare Versichertenkarte ist von Vorteil. Nicht weil irgendjemand im Rettungsdienst direkt ans Geld denkt, sondern weil dann Ihre Stammdaten bei der Krankenhausaufnahme nicht per Hand eingegeben werden müssen. So können bei Ihrer Aufnahme direkt wichtige Untersuchungen wie zum Beispiel Labor oder Röntgen angeordnet werden. Sollten diese Dinge schon bereitliegen, freuen wir uns. Wenn dies nicht der Fall ist, rufen Sie uns bitte trotzdem über die 112, wenn Sie den Eindruck haben, dass sie akut schwer erkrankt sein könnten. Für leichtere Beschwerden wenden sie sich an ihren Hausarzt oder an die 116 117, den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Sollten sie an Erkältungssymptomen leiden, gehen Sie bitte nicht direkt in die Notaufnahme oder die Arztpraxis, sondern rufen Sie vorher dort zur Terminvereinbarung an. Die Arztpraxen und die Notaufnahmen haben Konzepte erarbeitet, die eine Ansteckung anderer Patienten vermeiden sollen. In der Notaufnahme geht es immer nach der Dringlichkeit der Erkrankung - und nicht etwa danach, wann der Patient in die Notversorgung kam, oder ob er mit dem Rettungsdienst eingeliefert wurde. Wenn plötzlich viele Menschen mit Zetteln um Sie herumstehen, und alles ganz schnell gehen muss, ist dies meist kein gutes Zeichen. Daher seien sie ein wenig geduldig, wenn es länger dauern sollte. Das Personal in den Notaufnahmen war schon vor der Corona-Krise deutlich unterbesetzt. Ein kleines Lächeln, auch unter einer Maske, tut jedem gut, und ist oft noch viel ansteckender als jedes Virus. In diesem Sinne hoffe ich, dass wir uns nicht beruflich treffen, ansonsten freue ich mich Sie kennen zu lernen, bleiben Sie gesund!

Dr. med. Gerrit Fischer ist Notarzt an den Standorten Trier-Ehrang und Senheim/Mosel.