Reizdarm - ein totgeschwiegenes Krankheitsbild wird thematisiert

Reizdarm - ein totgeschwiegenes Krankheitsbild wird thematisiert

Bevor die Diagnose Reizdarm gestellt wird, ist eine vernünftige Ausschlussdiagnostik wichtig. Vier Ärzte beantworteten zwei Stunden lang zahlreiche Leserfragen am Telefon zu einem Thema, das oft totgeschwiegen wird.

Trier. (kat) Hier eine Auswahl der Fragen und Antworten.

Ich habe ständig einen Blähbauch und Blähungen. Was kann ich tun?

Dr. med. Liane Arimond, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Trier: Es kann sich um einen Reizdarm handeln. Ratsam ist in erster Linie, die Ernährungsgewohnheiten umzustellen: Ernähren Sie sich ballaststoffreich, und trinken Sie genügend! Lindernd wirkt Bewegung - und rauchen Sie nicht! Da der Reizdarm häufig an die Psyche gekoppelt ist, kann ein weiterer Baustein der Behandlung eine Verhaltenstherapie sein. Gegebenenfalls können auch entkrampfende Medikamente gegeben werden. Ganz wichtig: Es darf keine Diagnose Reizdarm ohne vernünftige Ausschlussdiagnostik gestellt werden!

Ich glaube, ich habe einen Reizdarm. Ich habe ständig Blähungen, Durchfall, habe an Gewicht verloren und Blut im Stuhl.

Dr. med. Klaus-Peter Schneider, Internist (Gastroenterologie) in Trier: Vorweg: Die Alarmsignale müssen ernst genommen und abgeklärt werden! Es handelt sich dabei aber nicht um einen Reizdarm. Die vier Symptome eines Reizdarms sind Bauchschmerzen, Durchfall und Verstopfung im Wechsel sowie Geblähtsein. Der Reizdarm ist eine harmlose Erkrankung. Die Diagnose muss eine Ausschlussdiagnose sein: So können etwa eine Magen- und Darmspiegelung gemacht und eine Nahrungsmittelintoleranz ausgeschlossen werden. Bei 50 bis 70 Prozent der Reizdarmpatienten kommt es zu einer Spontanheilung, sobald die Diagnose Reizdarm gestellt wurde. Die Therapie richtet sich nach den Symptomen und beginnt zunächst mit pflanzlichen Mitteln.

Ich leide unter einer Niereninsuffizienz. Meinem Hobby, dem Wandern, kann ich nicht mehr nachgehen, weil ich dann ständig Durchfall bekomme.

Dr. med. Gunther Aurich, Facharzt für Allgemeinmedizin in Gusterath (Landkreis Trier-Saarburg): Sie können ein im Darm wirksames Mittel gegen Durchfall einnehmen plus Flohsamenschalen. Dies ist ein natürlicher Quellstoff, der auf das 18-Fache anquillt und nur im Darm wirkt.

Vor sechs Jahren hatte ich einen Arbeitsunfall, und seitdem habe ich zunehmend Magen- und Darmbeschwerden in Stress-Situationen.

Dr. med. Gunther Aurich: Nehmen Sie in Stress-Situationen ein säurehemmendes Magenmittel und ein entkrampfendes Mittel für den Darm ein.

Mein Mann klagt über häufigen Stuhlgang, und er stellt öfter Blut am Toilettenpapier fest.

Dr. Erwin Rambusch, Internist (Gastroenterologie) am Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier: Eine Darmspiegelung sollte gemacht werden, um eine Darmentzündung und Hämorrhoiden auszuschließen.

Ich habe oft Durchfall, und ein Reizdarm wurde diagnostiziert. Was kann helfen?

Dr. med. Erwin Rambusch: Eine Wiederherstellung der Darmflora - der natürlichen Bakterien, die im Darm vorkommen - sollte versucht werden.

Seit zwei Monaten habe ich Durchfall. Eine Darmspiegelung wurde gemacht - es ist alles in Ordnung. Stuhlproben wurden allerdings nicht entnommen.

Dr. med. Erwin Rambusch: Es wäre wichtig, eine Dickdarmentzündung auszuschließen. Dazu müssen feingewebliche Untersuchungen gemacht werden.

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