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Rheinland-Pfalz
Sogar der Vatikan lässt sonntags Autos waschen

Wer sein Auto schützen will, der sollte bei der Autowäsche einiges beachten. Aber dann: Was ist mit dem Schutz des Menschen und seiner Ruhezeit: Sollte Autowaschen auch sonntags erlaubt sein oder nicht?
Wer sein Auto schützen will, der sollte bei der Autowäsche einiges beachten. Aber dann: Was ist mit dem Schutz des Menschen und seiner Ruhezeit: Sollte Autowaschen auch sonntags erlaubt sein oder nicht? FOTO: Robert Günther / dpa-tmn
Mainz/Trier. In Rheinland-Pfalz ist das verboten. Tankstellen-Betreiber pochen auf freiere Regeln – und machen dem Trierer Bischof ein Angebot. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Zwischen Karotten-Ingwer-Suppe und Zigaretten in den Regalen geht es um eine heilige Kuh in Rheinland-Pfalz: Der Tankstellen-Interessenverband (Tiv) hat am Mittwoch in eine Mainzer Tankstelle eingeladen, um über das Verbot zu sprechen, im Land sonntags sein Auto in Anlagen waschen zu dürfen. Der Tenor der Betreiber: Die Regel hat längst Staub angesetzt, gehört poliert und von Grund auf gereinigt. Die Autofahrer wähnt der Verband, der zuletzt in 105 von 750 Tankstellen im Land Umfragen auf die Beine stellte, hinter sich. Das Ergebnis: Von 35 000 Befragten in Rheinland-Pfalz sprachen sich 29 915 (85,5 Prozent) für ein Ende des Waschverbots aus, 5085 Menschen wollten es lieber beibehalten (14,5 Prozent). „Der Wunsch, sonntags das Auto waschen zu dürfen, ist groß“, sagt Peter Hengstermann, Vorsitzender des Interessenverbandes. „Viele Menschen arbeiten die ganze Woche und haben vielleicht nur am Sonntag die Chance, in die Waschstraßen zu fahren.“ Das rheinland-pfälzische Gesetz sei schlicht „Bevormundung“, schimpft er und schaut über den Tellerrand hinaus.

Nur noch in sechs Bundesländern gelte ein striktes Verbot, sonntags das Auto zu waschen. Sämtliche Nachbarstaaten wie Luxemburg erlaubten die Autowäsche. Für Tankstellen-Besitzer in Deutschland spricht er von einem wirtschaftlichen Schaden: Bis zu 10 000 Euro pro Jahr büße ein mittelständischer Betreiber ein, weil er die Waschstraßen sonntags nicht öffnen dürfe, rechnet der Lobbyist vor. Seine Forderung: Das Land soll das Gesetz kippen.

Und wie reagiert die Politik? Der FDP-Landtagsabgeordnete Steven Wink, mit der ganzen Fraktion unter den Zuhörern der Pressekonferenz, zeigt sich gesprächsbereit. „Die Gesellschaft hat sich gewandelt, das Ergebnis der Umfrage ist ein starkes Signal dafür“, sagt er. Mit den Fraktionen der Koalitionspartner SPD und Grünen, aber auch mit Verbänden wollten die Liberalen nun diskutieren. Innenminister Roger Lewentz erteilt dem Vorhaben aber eine klare Absage. „Es gibt sechs Werktage, an denen Waschboxen benutzt werden können“, sagt der SPD-Politiker und stellt klar: Das Betreiben von Autowaschanlagen verstoße gegen die Regeln des Landesfeiertagsgesetzes, weil der Betrieb darauf abziele, Gewinn zu machen. Autowäsche sei darüber hinaus nicht dem Interesse verbunden, die Bevölkerung zu versorgen, was Tankstellen wiederum erlaubt, sonntags zumindest Benzin und Brötchen zu verkaufen.

Herbert Fuss vom ADAC Mittelrhein warnt vor dem Lärm, der mit den Anlagen verbunden sei – und von Anwohnern sonntags nicht gewünscht. Fuss deutet aber auch an, dass es in manchen, ruhigen Gewerbegebieten durchaus mal Waschboxen gibt, die sonntags zumindest nicht die Tore schließen. Das Waschverbot grundsätzlich zu kippen, lehnt er ab.

Auch das Bistum Trier reagiert kritisch. „Wir sind der Auffassung, dass der Sonntag als Tag der Ruhe, der Gemeinschaft, der Freiheit von Sachzwängen, Fremdbestimmungen und Zeitdruck für eine Gesellschaft unverzichtbar ist“, sagt Sprecherin Judith Rupp. Peter Hengstermann vom Tankstellen-Interessenverband kontert diese Aussage: Da die Tankstellen sonntags eh öffneten, seien ohnehin schon Mitarbeiter da. Die Anlagen liefen automatisch. Und, das Anekdötchen zum Schluss: Sogar im Vatikan, sagt er, gebe es Waschanlagen, die sonntags offen seien. Hengstermann feixt: „Ich lade den Bischof herzlich ein, mit mir sonntags mal das Auto zu waschen, um zu sehen, wie viel Spaß das macht.“ Ob der sich auf den Jux einlässt?