Schleppen mit System

MÜNCHEN. (red) Wandern ist für Menschen jeden Alters gesund – zumindest, wenn der Lebensabschnittspartner auf dem Rücken mitspielt. Damit die herbstliche Tour nicht zur Tortur wird, sollte das Gepäckstück einige wichtige Bedingungen erfüllen. Deshalb hat der Tüv Süd Tipps für den Kauf und den Gebrauch von Rucksäcken zusammengestellt.

Die Zahl der angebotenen Rucksäcke ist fast unüberschaubar. Wer den Überblick behalten will, sollte ein paar Dinge beachten, denn ein Prüfsiegel wie das GS-Zeichen oder das blaue Oktagon von Tüv Süd Product Service als Orientierungshilfe gibt es bei Alltags- und Wanderrucksäcken im Moment noch nicht. Grundsätzlich gilt: Allround-Rucksäcke sind der schlechteste Kompromiss für den sportlichen Einsatz auf dem Fahrrad, beim Wandern, beim Skifahren oder beim Klettern. Je nach Anforderung variieren Passform und Volumen. Rucksäcke müssen perfekt sitzen und dürfen auch bei einer längeren Tragezeit nicht drücken. Bei Wander-Rucksäcken sorgen anpassbare Rückensysteme für einen passgenauen und körpernahen Sitz. So lassen sich selbst schwere Lasten bequem tragen. Beim Anprobieren sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der Hüftgurt auch wirklich über die Hüften und nicht über den Bauch führt. Er überträgt das Gewicht auf das Becken und entlastet die Schultern. Der künftige Wanderer sollte für etwa eine halbe Stunde mit dem beladenen Rucksack am Rücken durch das Geschäft wandern und dabei auch Treppen steigen, um die Praxistauglichkeit zu testen, raten Profis für Sportprodukte. Wichtig seien neben der anatomischen Form des Rucksacks auch ein System zur Rückenbelüftung und gepolsterte Schultergurte . Die Wahl des richtigen Volumens hängt vom Einsatzzweck und der Einsatzdauer ab. Für mehrtägige Outdoortouren bietet sich ein 60 bis 80 Liter großer Trekkingrucksack an, während für Tagestouren ein Modell mit 25 bis 35 Litern ausreichend ist. Große Rucksäcke verleiten in der Regel dazu, zu viel mitzunehmen. Doch weniger Gewicht bedeutet mehr Spaß. Die Tüv-Experten raten deshalb, sich aufs Wesentliche zu beschränken. Das so genannte Zwiebelschalenprinzip bei der Kleidung hilft dabei, Gewicht zu sparen.Schwere Sachen nach oben

Für eine Tageswanderung dürfen eine Regenjacke, ein Fleece-Pulli, eine Wasserflasche, eine kleine Reiseapotheke, Kartenmaterial, eine Brotzeit, ein Müllbeutel für den eigenen Abfall, eine Sonnenbrille und Kopfbedeckung in keinem Rucksack fehlen. Dass die schweren Sachen dabei nach unten gepackt werden müssen, ist ein weit verbreiteter Irrtum. "Vielmehr sollte die schwere Last direkt am oberen Rücken liegen und die leichteren Sachen darunter oder weit außen", sagt Tüv-Experte Volker Kron. Es empfiehlt sich außerdem, beim Kauf eines Rucksacks auf ein Deckelfach zu achten. Darin lassen sich Kleinigkeiten verstauen, auf die in jeder Situation schnell zugegriffen werden kann. Ratsam ist es auch, keine losen Gegenstände an den Rucksack zu hängen, weil sie das Gleichgewicht stören und man im Wald oder in engeren Passagen leicht hängen bleiben kann. Auch beim Schultern der Last gibt es Kniffe, um mögliche Schmerzen zu vermeiden. Der Brustgurt sollte gerade so eng eingestellt werden, dass die Armbewegung nicht behindert wird. Vor allem bei schwerer Ladung muss der Hüftgurt fest anliegen. Oft kommt es dann bei Hosen mit Gürtel zu unangenehmen Druckstellen. Der Hüftgurt sorgt neben der Gewichtsentlastung auch für den festen Sitz des Rucksacks. Wenn es während einer Wanderung leicht regnet, reicht der "natürliche" Wetterschutz des Rucksacks aus - dafür müssen jedoch alle Reißverschlüsse, Schnüre und Klappen richtig geschlossen sein. Doch die wenigsten Rucksäcke sind wirklich wasserdicht, deshalb sollte bei stärkerem Regen und ohne geeignete Unterstellmöglichkeit besser die Regenhülle über den Rucksack gezogen werden. Die Tüv-Süd-Experten weisen jedoch auf eine kostengünstigere Alternative hin: zwei dünne Müllbeutel nämlich, die ineinander gesteckt werden können. Den Rucksackinhalt hineinpacken und die Beutel zusammenrollen - fertig ist die wasserdichte Verpackung.