Seniorengerechtes Gärtnern

Seniorengerechtes Gärtnern

Mit dem neu aufkeimenden Interesse am Nutzgarten ist auch altes Praxiswissen wieder gefragt. Was Großmutter noch wusste, probiert nicht nur die Enkelgeneration gerne aus. Der TV hat sich in der Region auf die Suche gemacht - und Christine Tillmann gefunden.

Kinderbeuern. Die 88-jährige Christine Tillmann gärtnert in Kinderbeuern (Kreis Bernkastel-Wittlich). Mit ihrem ersten Nutzgarten hat sie die achtköpfige Familie versorgt. "Heute habe ich drei Hochbeete für den Eigenbedarf", sagt sie. Was die nur mit Kompost und Gesteinsmehl als Dünger wirtschaftende Gärtnerin als "seniorengerechtes Gärtnern" bezeichnet, ist auch für junge Stadtgärtner eine interessante Alternative. Auf versiegelten Flächen und Dachterrassen lässt sich mit einem Hochbeet idealer Pflanzenraum schaffen.
In zwei Kisten neben der Terrasse trocknen die frisch geernteten Zwiebeln ab. Zum Lagern dürfen sie nicht übereinanderliegen. Daher hat man sie früher zu Zöpfen geflochten und an einem trockenen wettergeschützten Ort aufgehängt. Ebenfalls zur Nachahmung empfohlen ist eine Spritzbrühe aus Zwiebelschalen, die Pilzkrankheiten vorbeugen soll. Christine Tillmann kocht die Schalen in Wasser aus, seiht sie ab und füllt sie in Fläschchen. Im Frühjahr wird das Spalierobst mit dem pflanzenkräftigenden Hausmittel gespritzt. Das tue auch den Rosen gut.
Große Stücke hält die biologisch wirtschaftende Gärtnerin auf das kieselhaltige Beinwell- oder Comfreykraut. Es eigne sich hervorragend als Vorkompost, einfach auf die Obstbaumscheiben gelegt, und für stärkende Pflanzenbrühen: "Ein Eimer voll Wasser, Kraut rein, etwa acht Tage stehen lassen." Damit gieße sie vor allem die Tomaten. Einer unangenehmen Geruchsentwicklung der Brühe beugt sie vor, indem Gesteinsmehl darüber gestreut wird. Das "Allheilmittel" bezieht Christine Tillmann als "Eifelgold Urgesteinsmehl" aus der Region. "Über die Stockrosen mit ihrer Anfälligkeit für Malvenrost werfe ich es auch schon mal drüber", berichtet sie. Einen Versuch ist es bei Buchsbaum und jeglichem von Pilzkrankheiten befallenem Laub wert. Wegen der Feinstofflichkeit sollte man Gesteinsmehl nicht an einem windigen Tag ausbringen.
Im klassischen Erntemonat September ist Platz für Neues entstanden. Wo bis vor kurzem Zwiebeln und Möhren standen, hat Christine Tillmann Feldsalat ausgesät. Das ist noch bis Mitte des Monats möglich. Zum Aussäen muss der Boden feinkrümelig sein. "Am besten geht das mit den Fingern", meint die in einer Konditorei groß Gewordene.
Feldsalat wird breitwürfig gesät. Die Saat deckt sie mit Kokosfasererde ab. Die gepressten Kokosblöcke sind eine Entdeckung aus der Zeit, als sie einen Eine-Welt-Laden organisierte. Die Faserreste werden in Wasser zu einem lockeren Substrat aufgequollen.
In ihrer Konsistenz erinnert die torf- und düngemittelfreie Erde an Torf. Das bodenverbessernde Substrat halte sogar ein bisschen warm. "Das ist ideal für spät und früh gelegte Saaten wie Erbsen, wenn es noch kalt ist", sagt sie in Hinblick auf die nächste Saison.
Außerdem sieht man dem trocken hell- und nass dunkelbraunen Material gut an, wann gegossen werden muss.
Und die Kapuzinerkresse an den Ecken der Hochbeete? Die seien doch sicher gepflanzt, um Blattläuse abzuhalten. "Das vielleicht auch", lacht Christine Tillmann. Vor allem aber setze sie die farbenfrohen Gewächse, "weil das so schön aussieht."Extra

"Alles Wissenswerte über Großmutters Lieblingspflanze", die Hortensie erfährt man am Dienstag, 11. September. Dann lädt der Gartenbauverein Wittlich zu einer Informationsveranstaltung um 20 Uhr ins Casino Wittlich ein. Nähere Informationen, auch über die Tagesreisen zum Früchtekorso der Welt-Garten-Expo Floriade im niederländischen Venlo am 23. September und auf "Das fürstlichen Gartenfest Schloss Wolfsgarten" bei Frankfurt am 15. September, bei Dieter Brussig, Telefon 06571/3420 oder unter www.gartenbauverein-wittlich.de