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So hilft die Verbraucherzentrale in Trier bei Fake-Shops und Betrug.

Trier : Gefragte Beratung in Corona-Zeiten

Das Corona-Jahr 2020 hat auch die Verbraucherschützer der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Trier vor ungeahnte Herausforderungen gestellt. Und auch der Beratungsbedarf hat angesichts von mehr Onlinehandel und massiven Reisestornierungen nicht abgenommen. Wir haben gemeinsam mit den Verbraucherschützern das Jahr Revue passieren lassen.

() Ärger mit Fake-Shops und fragwürdigen Lieferungen

„Seien es die orthopädischen Sommersandalen im Sonderangebot oder die teure Tasche zum Schnäppchenpreis – Fake-Shops, also gefälschte Verkaufsplattformen im Internet, waren auch 2020 ein Beratungsschwerpunkt“, sagt Renate Schröder, Beraterin in Trier. Immer verlangten die betrügerischen Seitenbetreiber Vorauskasse. „Die Ware wird dann entweder nicht geliefert oder ist minderwertig und das Geld ist futsch.“

So hat Frau B. aus Trier bei einem Online-Shop rutschfeste, orthopädische Sommersandalen im Wert von 45 Euro bestellt. Als die Ware kam, stellte sich heraus, dass die Schuhe von absolut minderwertiger Qualität waren. Die Verbraucherin wollte die Schuhe im Rahmen ihrer Widerrufsmöglichkeit zurücksenden. Da die Firma jedoch ihren Sitz in China hatte, hätte Sie über 40 Euro Versandkosten für die Rücksendung zahlen müssen.  Beraterin Schröder rät in solchen Fällen dringend zur Vorsicht, wenn Vorkasse geleistet werden soll. Ratsuchende, die Opfer eines Fake-Shops geworden sind, sollten Strafanzeige bei der Polizei erstatten.

Corona-Pandemie

„Mit Video-Beratungen und Web-Seminaren, aber auch mit der klassischen Telefonberatung konnten wir während der Schließung der Beratungsstelle unser Informations- und Beratungsangebot aufrecht erhalten und anpassen“, sagt Schröder. Besonders in der Versicherungsberatung wurde die Videochatberatung vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sehr viel angefragt.

Für rechtliche Fragen bei Verträgen rund um die Pandemie hat die Verbraucherzentrale Mitte März eine kostenlose Hotline eingerichtet, die vor allem bei Problemen rund ums Reiserecht stark genutzt wird, Telefon  06131-2848969. So kämpfen etwa viele trotz Rechtsanspruchs nach wie vor um die Erstattung ihrer bereits bezahlten Reise (siehe auch Text unten). „Finanzielle Folgen und damit verbundene Probleme werden in den nächsten Monaten weiter für eine hohe Nachfrage sorgen“, ist Schröder überzeugt.

Schiffskreuzfahrt in Frankreich

Ein betagtes Ehepaar, beide über 90, wollten sich einen Lebenstraum erfüllen und eine Schiffskreuzfahrt in Frankreich unternehmen. Begleitet werden sollte das Paar von der Tochter mit Familie, die die Reise als Geburtstagsgeschenk ausgesucht hatte. Zum geplanten Reisezeitraum kamen dann die Beschränkungen durch Corona, sowohl an Bord des Schiffes, als auch im Urlaubsland selbst. Eine schöne Reise mit entspannten Ausflügen war nicht mehr zu verwirklichen.

Der Reiseanbieter vertrat zunächst die Ansicht, die Reise könne stattfinden. „Auf die von uns vorbereitete Argumentation, dass wesentliche Teile der Reise nicht angeboten werden könnten, wollte der Anbieter nicht eingehen“, sagt die Verbraucherschützerin. Nach einigen Schreiben der Familie bot der Veranstalter an, die Reise auf den Sommer 2021 umzubuchen. Hiermit war die Familie nicht einverstanden. Der Senior: „Ich in meinem Alter weiß nicht, ob ich im nächsten Jahr noch da bin.“ Der dann angebotene Gutschein wurde mit einem ähnlichen Kommentar bedacht. Der ältere Herr wollte das Geld der Reise für andere Aktivitäten „zu seinen Lebzeiten in diesem Jahr“ nutzen. Noch vor der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für das Reisegebiet lenkte das Unternehmen „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht“ ein und erstattete den Senioren den Reisepreis. Der Reisepreis der Tochter und deren Familie wurde nach der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes erstattet.  

Kein Einlenken bei Streaming-Falle

Dubiose Streaming-Portale sorgen bei Verbraucherinnen und Verbraucher immer wieder für „Verdruss“. Vermeintliche Streaming-Portale werben mit kostenlosen, mehrtägigen Testphasen. Nutzer schildern immer wieder, dass nach der Registrierung jedoch keine Filme oder Serien gestreamt werden konnten, manchmal war die Registrierung auch nicht erfolgreich. Betrüger versuchen, Verbraucher in eine Abofalle zu locken. So dauert es auch nicht lange und Verbraucher erhalten trotz der scheinbar kostenlosen Testphase eine Rechnung. In vielen Fällen werden gesetzliche Vorgaben zum Abschluss eines wirksamen Abonnementvertrages nicht eingehalten. Über zum Teil aggressive Zahlungsaufforderungen und Druck durch falsche Inkassobüros sollen Betroffene zur Zahlung bewegt werden.

So erging es auch einer Verbraucherin aus der Region. Nach einer Registrierung für eine kostenfreie Testphase, erhielt sie per E-Mail eine Mahnung über fast 400 Euro für ein 12-monatiges Abonnement, obwohl sie keine Leistungen erhalten hatte. Dass das vermeintlich kostenfreie Angebot zu einem kostenpflichtigen Abonnementvertrag wird – darüber hatte die Verbraucherin dem Angebot vor der Registrierung keine Informationen entnehmen können.

Sie legte mit Hilfe eines Musterbriefes der Verbraucherzentrale Widerspruch gegen die Forderung ein. Nachdem eine „Letzte Mahnung“ mit Androhung weiterer rechtlicher Schritte kam, wandte die Verbraucherin sich an die Verbraucherzentrale Trier. Das Unternehmen stellte sich als dubioser Streamingdienst heraus. Die Verbraucherzentrale empfahl, sich nicht einschüchtern zu lassen, nicht zu zahlen und Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten.

Aufgelaufene Energiekosten

Die Folgen der Corona-Pandemie beschäftigen auch die Energiekostenberatung. Nachdem bei Zahlungsproblemen ein Aufschub bis 30. Juni 2020 gegeben wurde, melden sich seitdem vermehrt Verbraucher, die die aufgelaufenen Zahlungen mehrerer Monate nicht auf einmal leisten können. Versorgungssperren bei Strom, Gas oder Heizwärme werden angedroht und umgesetzt. Wie bei Frau K. aus M., alleinerziehend, die Ende September Unterstützung bei der Verbraucherzentrale suchte. Sie verlor als Folge der Corona-Pandemie ihre Arbeit und hatte danach nicht mehr genügend Geld für den monatlichen Stromabschlag. Der Versorger drohte mit einer Stromsperre, welche aber mit Hilfe der Unterstützung durch die Verbraucherzentrale abgewendet wurde. Ein starker Anstieg der Beratungen seit Mitte Juni zeigt die Dringlichkeit des Problems. „Wir hören zu, prüfen die Sachlage und vermitteln zwischen Ratsuchenden und Versorgern“, sagt Daniel Ollinger, „in fast allen Fällen kann eine Einigung erzielt werden“.