So kommt die Kraft der Sonne in die Steckdose

So kommt die Kraft der Sonne in die Steckdose

Die Solarbranche geht für den Sommer von einer Kürzung der Photovoltaikförderung um sechs Prozent aus. Dies sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW), Carsten Körnig, anlässlich der Branchenmesse Intersolar in München. Dennoch kann es sich für Privathaushalte lohnen, sich eine Solaranlage aufs Dach zu setzen.

München. Die Umwandlung von Sonnenenergie in elektrischen Strom ist für viele Menschen immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Wir erklären einige wesentliche Schritte.Was ist Photovoltaik? Sonnenlicht wird auch in Form von elektromagnetischer Strahlung (Photonen) abgegeben. Wenn diese Sonnenstrahlen auf ein speziell bearbeitetes, oft auf Silizium basierendes Halbleitermaterial (Photozelle) auftreffen, können sie dort Elektronen in Bewegung setzen und damit Strom erzeugen. Wie ist eine Photovoltaik anlage im Prinzip aufgebaut? Eine Photovoltaikanlage nutzt den oben geschilderten Effekt. Bei einer Photovoltaikanlage bilden viele Solarzellen ein Photovoltaikmodul in der Größe von etwa 1 x 0,5 Metern. Mehrere Module bilden die Photovoltaikanlage. Die Anlage erzeugt Gleichstrom, der über einen Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt und ins Netz eingespeist werden kann. Welche verschiedenen Zelltypen gibt es? Es gibt eine Vielzahl von Materialien und Konzepten für Solarzellen mit unterschiedlichen Formen, Farben und Leistungsdaten. Meist unterscheidet man in kristalline Zellen und Dünnschichtzellen. Kristalline Zellen überwiegen auf dem Markt. Dünnschichtzellen haben den Vorteil eines geringeren Material- und Energieeinsatzes und können beliebige Modulformate annehmen. Warum wird Solarstrom ins öffentliche Netz eingespeist? Das Netz übernimmt die Funktion des Stromspeichers - der gesamte erzeugte Solarstrom wird sofort übernommen und verteilt. Derartige Anlagen nennt man netzgekoppelt. Dieses Konzept ist technisch und wirtschaftlich ein Vorteil für den Solarstrom, da bislang Stromspeicher (Akkus) technisch sehr aufwendig und teuer sind. Mit einer Photovoltaik anlage wird man Stromerzeuger, aber nicht autark. In Deutschland sind autarke Systeme selten. Hier versorgt die Photovoltaik - meist im Verbund mit einer anderen Technik zur Stromerzeugung - ein Gebäude komplett mit Strom (Hütte in den Alpen), das weit entfernt vom Stromnetz steht und deshalb nicht wirtschaftlich ans Netz angeschlossen werden kann. Wie wird die Förderhöhe für Solaranlagen berechnet?In jedem Jahr prüft die Bundesnetzagentur, um wie viel Prozent die Förderung im Sommer gesenkt wird. Das richtet sich nach der erwarteten Menge der neu installierten Solarleistung in Deutschland in diesem Jahr. Um diese zu berechnen, erhebt die Bundesnetzagentur die neu hinzugebaute Menge von März bis Mai und rechnet diese auf das ganze Jahr hoch. Die Ergebnisse der Erhebungen werden in den kommenden Tagen erwartet. Branchenkreise gehen derzeit von einem Zubau von etwas mehr als 4,5 Gigawatt aus, dieser hätte dann eine Kürzung von rund sechs Prozent zur Konsequenz. Sollte sich im Laufe des Jahres herausstellen, dass doch mehr Solaranlagen als erwartet aufgebaut werden, würde Anfang Januar bei der planmäßigen Kürzung noch nachgelegt.Welche Anforderungen stellen die Anlagen an Dachneigung und Himmelsrichtung? Generell können Photovoltaikanlagen auf geneigten Dächern und Flachdächern, als Teil der Fassade und auf Freiflächen montiert werden. Die höchsten Erträge erzielt man bei ungefähr 35 Grad Dachneigung und Süddach. Was bedeutet Verschattung und warum ist das für die Anlagen ein Problem? Der Stand der Sonne "wandert" mit den Jahreszeiten, und das Sonnenlicht fällt in verschiedenen Winkeln ein. Photovoltaik anlagen sollten möglichst zu keiner Tages- oder Jahreszeit verschattet sein. Eine zeitweise Verschattung - auch nur von Teilflächen - kann zu Ertragseinbußen von fünf bis zehn Prozent im Jahr führen. Mögliche Ursachen des Schattens sind Bäume, Kamine, Satellitenschüsseln und Nachbargebäude. Welche rechtlichen Anforderungen gibt es für Photovoltaikanlagen? Photovoltaikanlagen sind meistens als Bauvorhaben genehmigungsfrei, wenn nicht andere planungsrechtliche Regelungen oder Vorgaben des Bundeslandes vorliegen. Sie müssen einerseits die Anforderungen als elektrische Anlage und als Bauteil erfüllen. Die Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage darf nur durch einen zugelassenen Elektroinstallateur erfolgen. Was ist bei denkmalgeschützten Häusern zu beachten? Bei diesen Gebäuden braucht man die Zustimmung der zuständigen Denkmalbehörde. Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen bietet im Internet unter www.denkmalpflege-hessen.de in der Rubrik Ratgeber eine Fotogalerie gelungener Beispiele und weitere Tipps an. Solarinteressierte sollten sich möglichst frühzeitig mit ihrem Denkmalamt in Verbindung setzen und versuchen, im Gespräch individuelle Lösungen zu vereinbaren. Weitere Informationen bietet auch das Bundesumweltministerium unter www.bmu.de/dossier_photovoltaik. red/dpaDie Sonne strahlt nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) ständig mehr als 120 000 Terawatt auf die Erdoberfläche. Das entspricht der Leistung von 100 Millionen großen Kraftwerken. Dieses Angebot ist 7700 mal größer als der gesamte Energiebedarf der Erde, gemessen am Jahr 2006. Herkömmliche Solarzellen können bis zu 19 Prozent des einfallenden Sonnenlichts in Strom umwandeln. dpa