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So stärken sie dei „Medienkompetenz“ von Jugendlichen

Telefonaktion : Handy & Computer: Regeln mit Kindern besprechen

Nachgefragt: Zwei Expertinnen beantworteten Fragen am TV-Telefon zum Thema „Medienkompetenz“.

Das dürfte jede Familie kennen: Streit um die Bildschirmzeit. Was tun, wenn das Kind zu oft am Computer spielt und sich nicht an Regeln hält? Ab wann sollte ein Kind überhaupt ein Smartphone bekommen? Zwei Stunden lang hatten unsere Leserinnen und Leser die Möglichkeit, mit Expertinnen am TV-Telefon über das Thema „Medienkompetenz“ zu sprechen. Hier ein paar  Fragen und die Antworten der Fachleute:

Mein Kind besucht ein Gymnasium und nutzt für die Schule ein Tablet, das auch zuhause genutzt werden kann. Wie kann ich die Medienzeit begrenzen?

Saskia Fuchs, Sozial-Pädagogin (M.A.) und Mitarbeiterin der Lebensberatung des Bistums Trier in Bitburg: Die Schwierigkeit ist, dass Ihr Kind sich immer damit herausreden kann, am Tablet für die Schule etwas machen zu müssen. Es ist schwierig, wenn die Medienzeit für Schule und Freizeit ineinander übergehen. Ratsam sind ritualisierte Zeitvorgaben. Wenn Ihr Kind zum Beispiel im Schnitt immer eine Stunde am Tag für die Hausaufgaben benötigt, kann ihm diese eine Stunde nach dem Mittagessen zur Verfügung gestellt werden. Die Zeit vor dem Abendessen, etwa zwischen 17 und 18 Uhr, könnte zur freien Verfügung am Tablet gegeben werden. Es gibt Initiativen, die empfehlen, bei Jugendlichen ein wöchentliches Zeitkontingent zu vereinbaren. So lernen Jugendliche, sich selbstständig die wöchentliche Zeit einzuteilen. Auch kann ihnen Eigenverantwortung für das Erledigen der Hausaufgaben gegeben werden. Wenn Hausaufgaben nicht in der vorgegeben Zeit geschafft werden, muss das Kind die Zeit, die eigentlich zur freien Verfügung steht, weiter für die Hausaufgaben nutzen. Ausnahmen, je nachdem was für die Schule ansteht, sollten allerdings drin sein und vorher besprochen werden. Vor dem Zubettgehen ist es ratsam, alle mobilen Geräte in einem für die Kinder nicht zugänglichen Ort zu „parken“. Bitte analoge Wecker besorgen, sonst hat das Kind eine weitere Ausrede, falls es mal zu spät zur Schule kommen sollte.

Unser Kind spielt oft am Computer und hält sich nicht an Regeln. Immer wenn ich ins Kinderzimmer gehe und ermahne, werde ich angemotzt und rausgeschickt.
Fuchs: Beim Gaming oder Zocken ist es ratsam, vorab festzulegen, wie viele Level gespielt werden dürfen. So ist das Kind weniger frustriert, wenn es nach einer halbe Stunde aufhören muss, aber gerade dabei ist, den Endgegner in Level zehn zu schlagen. Dabei gehen erarbeitete Erfolge im Spiel verloren und Mitspielende könnten sauer werden - was die Frustration des Kindes weiter verstärkt. Wie wäre es für Sie, wenn Ihnen jemand sagen würde, dass Sie ein Fußballspiel nur bis zum 80. Minute schauen dürften und die entscheidenden Tore in der 83. und 85. Minute fallen würden?

Meine Tochter ist verstorben und ich habe nun das Sorgerecht für meine Enkelkinder. Der 12-Jährige verbringt übermäßig viel Zeit an Handy, Konsole und Tablet, teilweise acht bis zehn Stunden täglich. Manchmal sogar noch mehr. Er wird in der Schule immer schlechter. Nach der letzten Meldung des Lehrers hatte ich ihm zunächst alle Medien entzogen. Er war einsichtig und lernt einiges nach. Ich bin unsicher. Wie kann ich mit der Situation gut umgehen?

Carina Grün, Bachelor Angewandte Psychologie (B.Sc.) bei der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V. in Trier: Hilfreich könnte sein, gemeinsam mit ihrem Enkel einen Plan für eine festere Tagesstruktur zu erarbeiten. Ihr Enkel soll dabei mitentscheiden können, da Teenager erfahrungsgemäß eher dazu bereit sind, Regeln einzuhalten, wenn sie in die Entscheidung miteinbezogen werden. Der Plan soll feste Zeiten für Hausaufgaben, Medien, Familienzeiten und Hobbys außerhalb der Medien beinhalten – mit einem gewissen Spielraum, da es immer auch Ausnahmen geben kann, beispielsweise wenn an einem Tag keine Hausaufgaben gemacht werden müssen. Ebenso sollten sie gemeinsam eine Art Belohnungsplan überlegen. Ihr Enkel bekommt beispielsweise die Konsole, wenn er eine bestimmte Aufgabe erledigt hat. Es ist sinnvoll, anstelle von Bestrafungen mehr positive Verstärker in den Alltag einzubauen. 

Ab wann sollte mein Kind ein Smartphone bekommen? 

Grün: Handys ohne Internetzugang werden für Kinder ab circa neun Jahren empfohlen. So können sie zunächst den Umgang und das Telefonieren mit einem Mobiltelefon üben. Ein Smartphone mit Internetzugang ist eher für Kinder ab circa zwölf Jahren geeignet, da die Kinder vorher die möglichen Gefahren der Internetnutzung nicht einschätzen können. Doch Eltern können am besten den Entwicklungsstand des Kindes einschätzen und ob es für ein Smartphone bereit ist.  Grundsätzlich empfiehlt es sich, auf den Geräten altersangemessene Jugendschutzeinstellungen und wenn erforderlich, zeitliche Limitierungen für bestimmte Apps einzurichten. Ebenso können App-Käufe mit einem Passwort geschützt werden, um nicht in eine Geldfalle zu geraten. Wichtiger als bestimmte Einstellungen, die  für Kinder schnell einen Kontrolleffekt haben können, bleibt ein offener und reflektierter Umgang mit dem Thema. In Familien sollte darüber gesprochen werden, wofür das Handy genutzt wird, welche Spiele gespielt werden, mit wem man Kontakt hat. So zeigt man Interesse am Kind und Fragen, Unsicherheiten oder Kontakte können direkt besprochen werden.