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So vermehren Sie Zimmerpflanzen selbst mit Erfolg.

Garten : Im Handumdrehen die eigene grüne Oase

TV-Garten im Januar: Im Winter rückt das Indoor-Gärtnern in den Vordergrund. Dabei entdecken immer mehr Pflanzenfreunde, wieviel Spaß es bringt, Zimmerpflanzen selbst zu vermehren.

Die Avocado ist zu einer delikaten Creme verarbeitet. Der Kern wandert auf den Kompost. Oder halt: Ist er dort nicht schon einmal von alleine gekeimt?! Warum also nicht experimentierfreudig sein, und sein eigenes Avocadobäumchen fürs Zimmer aus dem Kern ziehen (siehe Info)?

Viele Zimmerpflanzen lassen sich problemlos selber vermehren. Mancher kann gar nicht genug davon haben. Die wohltuende Wirkung von Zimmerpflanzen auf den Menschen ist längst bewiesen. Zudem regulieren Pflanzen die relative Luftfeuchtigkeit, was sich vor allem in der Heizperiode positiv auf die Raumatmosphäre auswirkt. In geringem Maße können Grünpflanzen sogar Luftschadstoffe reinigen. In jüngster Zeit gelangen selbstvermehrte Pflanzen zudem als nachhaltige Form der Zimmerpflanzenkultur ins Blickfeld. Früher, als es noch keine Lieferketten nach Lateinamerika und Afrika gab, wo heute der Großteil an Zimmerpflanzen produziert wird, war es üblich sich Ableger oder Stecklinge von Freunden, Nachbarn und Bekannten zu erbeten oder auch mal aus dem Urlaub mitzubringen.

Am einfachsten funktioniert das mit Pflanzen, die bereits fertige Ableger bereithalten. Grünlilien etwa bilden sogenannte Kindel. Die Tochterpflänzchen hängen an langen Stängeln und haben eigene Wurzeln gebildet. Man muss sie nur abschneiden und eintopfen. Manche Sukkulenten wie das Goethepflänzchen (Kalanchoe pinnata) bilden an ihren Blatträndern Brutpflänzchen, die in Erde gesetzt, eigenständig weiterwachsen.

Im Handumdrehen gewinnt man neue Pflanzen, die exakt wie die Mutterpflanze aussehen. Man spricht von der vegetativen Vermehrung. Im Gegensatz zur Vermehrung über Samen, die man generative oder geschlechtliche Vermehrung nennt, braucht es weder Bestäubung noch Keimung. Denn gerade die gestalten sich bei vielen Zimmerpflanzen schwierig. Oft setzen die Pflanzen erst gar keinen Samen an, weil es an den Bestäubern fehlt. Die Wartezeiten bis die Samen keimen sind lang. Schneller geht es über Stecklinge.

Viele Zimmerpflanzen lassen sich über Kopfstecklinge vermehren. Hierzu zählen neben verzweigten Sukkulenten wie Rosettendickblatt (Aeonium) Kletterpflanzen wie Efeutute (Epipremnum aureum), die selbst Leuten ohne jeglichen grünen Daumen alle Fehler verzeiht. Kopfstecklinge bieten sich an bei Lifestyle-Lieblingen wie der Ufopflanze (Pilea peperomioides) und größeren tropischen Gattungen wie Monstera oder Drachenbaum (Dracaena). Bei letzteren nimmt man am besten junge, biegsame Triebe. Alte, dicke Stängel tun sich mit dem Bewurzeln schwer und gehen häufig ein.

Generell gilt bei Triebstecklingen, sie sollten nicht zu weich sein, da sie leicht faulen. Sie dürfen aber auch nicht zu hart oder verholzt sein, um schneller zu bewurzeln. Den Schnitt setzt man unterhalb eines Blattknotens an. In diesem Bereich besitzt die Pflanze viele Wuchsstoffe, was für das Bewurzeln wichtig ist. Dann entfernt man die untersten Blätter.

Eine andere Möglichkeit ist die Vermehrung über Stammstecklinge. Sie bietet sich an, wenn man eine größere Anzahl heranziehen will. Bei der Strahlenaralie (Schefflera) etwa kann man die Stammspitze als Triebspitzensteckling nutzen und den restlichen Trieb in kurze Stücke von fünf bis acht Zentimeter teilen. Jedes Teilstück braucht ein Auge. Aus dem ruhenden Blattansatz wachsen neue Blätter. Auf der Unterseite bilden sich die Wurzeln.

Auch über die Blätter lassen sich manche Arten vermehren. Eine ganze Reihe von Sukkulenten wie Dickblatt (Crassula), Flammendes Käthchen (Kalanchoe), Echeveria oder Fetthenne (Sedum) werfen saftige Blätter ab, um Energie zu sparen. Legt man die erbsenförmigen Blätter der Perlenschnur (Senecio rowleyanus) in einer flachen Anzuchtschale auf ein sandiges Substrat, treiben sie schnell Wurzeln. Tipp: Bei Sukkulenten lässt man die abgetrennten Teile zwei Tage antrocknen, bevor man sie in Erde setzt.

Aus einem Blatt gleich mehrere Pflanzen zu ziehen, bietet sich bei Zimmerpflanzen an, die keine erkennbaren Blattstiele, Stängel oder Blattrippen haben. Der wieder in Mode gekommene Bogenhanf (Sansiviera) ist ein prominentes Beispiel. Mit einem scharfen Messer entfernt man ein Blatt so nah wie möglich an der Basis und schneidet es auf einem Brett in sieben bis zehn Zentimeter lange Stücke. Dann steckt man die Teilstücke in Anzuchterde. Dabei muss man darauf achten, dass sie nicht verkehrt herum eingesetzt werden. Wurzeln kann die Pflanze nur aus der unteren Schnittfläche eines Blattstücks treiben. Wie die meisten Stecklinge brauchen auch die Blattstück-Stecklinge bis zum Einwurzeln hohe Luftfeuchtigkeit. Gespannte Luft schafft man durch einen Deckel über dem Anzuchtgefäß. Steht keine Abdeckung zur Verfügung, bastelt man sich ein „Mini-Gewächshaus“ mithilfe einer durchsichtigen Plastikhaube und lüftet alle paar Tage, damit sich kein Schimmel bildet. Sobald die Nachkommen frisch durchtreiben, sind sie angewurzelt und können umgetopft werden.

Bei vielen Zimmerpflanzen kann man auch die Methode Wasserglas anwenden. In Wasser gestellt, bilden die Stecklinge Wurzeln und können als bewurzelte Jungpflanzen umgesetzt werden. Damit das Wasser sauber bleibt, sollte man es regelmäßig wechseln. Im Wasser dürfen keine Blätter stehen, sonst kommt es zu Fäulnis.