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So wird der Garten weniger pflegeintensiv. Ein Beispiel aus der Eifel.

Garten : „Ich will sehen, was die Natur macht“

TV-Garten im Juni: Klimagärtnern, Verwildern lassen und Ruinenkult  – es gibt viele Möglichkeiten den Garten weniger pflegeintensiv und doch ansprechend zu gestalten. Ein Besuch auf dem Spodenhof im Islek-Örtchen Manderscheid bei Waxweiler zeigt, wie das aussehen kann.

Den Garten so gestalten, dass man möglichst wenig Arbeit damit hat, ist nicht das Erste, worauf man beim Anblick des Spodenhofes gekommen wäre. Doch genau das haben sich Annegret und Thilo Stobbe für die Zukunft vorgenommen. Vor 16 Jahren tauschten der Maschinenbauingenieur und die, lange Jahre in der Dekoration tätige, Töpferin das Arbeitsleben in Düsseldorf gegen die Schaffensphase im Ruhestand. Sie haben den liebevoll renovierten Komplex von Wohnhaus mit Wintergarten, Backhaus, Stallungen und Werkstatt in eine malerische Gartenlandschaft gebettet. Die Vorliebe für englische Gartenkultur ist sichtbar. Doch nicht die arbeitsintensive Art aufwendiger Staudenrabatten prägen das Bild, sondern die überbordende Fülle in einem geordneten Rahmen.

In den Pflasterfugen dürfen Spanische Gänseblümchen sprießen. „Ich liebe die asternähnlichen Bodendecker für sonnige Plätze“, sagt Annegret Stobbe. „Sie blühen von Juni bis zum Frost und machen keine Arbeit.“ Im sonnigen Hof hat das Ehepaar einen Kiesgarten mit trockenheitsverträglichen Stauden angelegt. Das erspart ständiges Wässern. Es gibt einen alten Brunnen, der auf blankem Fels knapp einen Meter unter der Wasseroberfläche angelegt wurde. Er fasst 1400 Liter. Einmal ausgeschöpft, ist er nach einer Woche wieder vollgelaufen.  Verwildern nennt man die in England beliebte Art, Gartenpartien natürlich mit Zwiebelblumen zu füllen, die über Jahrzehnte am gleichen Platz stehen und das ohne Pflege. Von Jahr zu Jahr werden die Bestände größer und schöner. Die Blumen breiten sich durch Brutzwiebeln und Aussaat aus.

Nicht alle Zwiebelblumen eignen sich gleichermaßen zum Verwildern. In England gehören Waldhyazinthen, sogenannte Blue Bells (Hyazinthoides non-scripta), zu den Favoriten für schattigere Gartenpartien. Annegret Stobbe hat beste Erfahrungen mit den großblumigeren Hasenglöckchen (Hyacinthoides hispanica) gemacht. Sie füllen den Waldgarten zwischen Waldmeister, Kaukasus-Vergissmeinnicht und Lenzrosen vor Geißbart und Rhododendren mit ihrem Blau. Der Blattschmuck von Funkien und Farnen ist besonders geeignet, das einziehende Laub der von April bis Anfang Juni blühenden Zwiebelblumen zu verdecken. „Als Initialzündung habe ich 280 Zwiebeln gesetzt“, erinnert sich die Waldgartenliebhaberin. Im Herbst will sie weitere 200 Stück einbringen. Geeignete Plätze markiert man sich am besten jetzt, bevor die Zwiebelblumen wieder im Boden verschwunden sind. Es wäre schade, wenn man bestehende Zwiebelnester beim Nachsetzen beschädigt.

Normalerweise ist der Boden im Waldgarten durch Blattstauden bedeckt. Unkraut wird so größtenteils unterdrückt. Einzig Baumsämlinge reißt Annegret Stobbe konsequent raus. Auf dem gemulchten Weg durch den Waldgarten sind unzählige Ahornnachkommen gekeimt. Dann wird es Zeit, die Pfade mit einer dicken Schicht Rindenmulch neu zu befüllen. „Das fällt alle vier bis fünf Jahre an“, berichtet das Ehepaar.

Verzichten würde Annegret Stobbe mit ihrem heutigen Gärtnerwissen auf invasive Arten wie Scharbockskraut: „Da komme ich nicht mehr gegen an“.  Wichtig beim naturnahen Gärtnern ist es, Arten ähnlicher Wuchsstärke zu kombinieren. Lücken füllen Pflanzen, die sich wie Nachtviole leicht versamen. Der meist zweijährige Nachtdufter hüllt die Waldpartie von Mai bis Juli in violettlilafarbenen Blütenschaum. „Das sind oft tolle Überraschungen“, sagt Annegret Stobbe dazu. Die einen nennen es „Blackbox Gardening“, die anderen „Laissez-faire Gärten“.

Eine Stück Grasland eignet sich dafür besonders gut: „Ich will sehen, was die Natur hier macht“, sagt die 74-Jährige. Seit einigen Jahren wird das sanft modellierte Hanggelände nicht mehr als kurzer Rasen geschoren, sondern nur noch zweimal jährlich im April und Oktober gesenst. In die mit Narzissen verschönerte Blumenwiese sind lediglich Gehwege gemäht. Der Kontrast von wogendem Gras und grünem Teppich ist die ästhetische Komponente. Ganz praktisch gibt der Weg den Gartenrundgang vor und führt zu einer Ruine.

Die Idee verlassen wirkender Architektur ist Absicht: eine malerische Szene mit Ruine. Foto: Kathrin Hofmeister

„Das ist meine Laurentiuskapelle“, sagt der Hausherr. „Man muss Acht geben, dass die Ruine aussieht, als sei von einem alten Gebäude etwas übrig geblieben“, verrät Thilo Stobbe das Geheimnis einer gelungenen Staffage. Die Idee der verlassen wirkenden Architektur stammt aus der englischen Landschaftsgartengestaltung. Im Englischen spricht man bei den eigentlich nutzlosen Prachtbauten von einem „Folly“. Das Wort steht auch für „Torheit oder Verrücktheit“. In der Gartengestaltung ist es alles andere als eine Spinnerei. Gut platziert, ergänzt so ein „lost place“, ebenso wie Annegret Stobbes Tonskulpturen das weitläufige Gelände um eine malerische Szenerie. Und macht in Zukunft null Arbeit.