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So wird der Nesthocker selbstständig

So wird der Nesthocker selbstständig

Wie können Eltern ihrem erwachsenen Sohn erklären, dass das Hotel Mama schließt? Was hilft, auch noch den fast 50-jährigen Nesthocker ins eigene Leben zu entlassen?

Trier. Zwei Stunden lang gaben Elke Hermes und Wolfgang Drehmann unseren Lesern Tipps zum Thema Nesthocken.Unser 38-jähriger Sohn war drei Jahre lang in einer Beziehung. Nach der Trennung ist er wieder bei uns eingezogen. Ich koche und wasche für ihn, aber er gibt kein Kostgeld. Ich will, dass er selbstständig wird und dass er auszieht. Aber meinem Mann ist das gleich. Haben Sie einen Tipp? Wolfgang Drehmann, Diplom-Sozialarbeiter und Leiter der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier: Sie können das Kochen und Waschen einstellen oder Ihren Mann gewinnen und gemeinsam eine Veränderung herbeiführen. Ihr Sohn ist erwachsen, und die alten Eltern sind nicht mehr dafür zuständig, die alltägliche Versorgung zu übernehmen. Unser Sohn ist 29 Jahre alt und lässt sich verwöhnen. Er fährt dicke Autos, gibt aber nichts von seinem Lohn ab. Kurzfristig war er mal ausgezogen, aber nach zehn Wochen wieder daheim. Wenn ich anspreche, dass er mehr mithelfen soll, und ich mir wünsche, dass er auszieht, reagiert er nicht. Elke Hermes, Sozialpädagogin in der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Diakonie in Trier und Traben-Trarbach: Sie schätzen die Situation durchaus richtig ein, weil Kinder in diesem Alter ihren Anteil beitragen können, finanziell oder im Haushalt. Sprechen Sie sich mit Ihrem Mann ab, in welchen Punkten Sie sich Unterstützung wünschen. Und bedenken Sie: Solange Ihr Sohn so verwöhnt wird, hat er keine Not auszuziehen. Meine drei Kinder sind weit über 30 und leben nicht mehr bei uns. Aber an den Feiertagen kommen sie nach Hause und lassen sich nur bedienen. Auch ich möchte, dass es so ist wie früher, aber mir wird das alles zu viel. Ich traue mich nicht, sie um Mithilfe zu bitten, da ich die Harmonie nicht stören möchte. Wolfgang Drehmann: Ich empfehle Ihnen, mit einem der Kinder darüber zu reden und sich so Unterstützung zu holen. Wie können die Feiertage gestaltet werden, damit nicht alles an Ihnen hängen bleibt? Gehen Sie die Feiertage zukünftig als Team und nicht als Einzelkämpferin an! Ich habe es satt: Unser Sohn ist 49 Jahre alt und war noch nie ausgezogen. Er lebt in unserem Haushalt quasi in seinem Jugendzimmer. Meine Frau will, dass er bleibt. Ich, dass er geht. Dabei sind wir alt und krank und bräuchten selbst Hilfe. Unser Sohn unterstützt uns nicht. Wolfgang Drehmann: Sie sollten als Eltern eine gemeinsame Linie finden und zusammen signalisieren, dass es so nicht weitergehen kann. Machen Sie ihrem Sohn deutlich, dass Sie die Situation nicht länger schaffen. Gegebenenfalls können Sie auch überlegen, wer Ihnen bei dem Gespräch helfen kann. Das kann ein weiteres Familienmitglied oder eine Beratungsstelle sein. kat