Stadtwerke legen Mega-Projekt auf Eis

Stadtwerke legen Mega-Projekt auf Eis

Das Zukunftsprojekt Pumpspeicherkraftwerk "Rio" hat in der Region jahrelang für Aufmerk- samkeit gesorgt. Nun ist es ausgebremst. Der Grund: Es gibt keine Investoren, die das Projekt mitfinanzieren.

Trier/Ensch Es sollte DAS Zukunftsprojekt der Stadtwerke Trier (SWT) werden, das Pumpspeicherkraftwerk (PSKW) "Rio" bei Ensch an der Mosel (Kreis Trier-Saarburg). Nun hat der heimische Energieversorger aus Trier die Mammutplanung mit reinen Baukosten von rund 600 Millionen Euro vorerst in den Stand-By-Betrieb gestellt. Dies haben die beiden SWT-Vorstände Olaf Hornfeck und Arndt Müller am Mittwochabend beim ersten Energiegipfel des Trierischen Volksfreunds verlauten lassen (ausführlicher Bericht folgt). In einer offiziellen Mitteilung am Donnerstag heißt es nun weiter: "Die Stadtwerke Trier sehen sich gezwungen, die Partnersuche für das Pumpspeicherkraftwerk ,Rio' an der Mosel zum jetzigen Zeitpunkt nicht fortzuführen." Die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen ließen keine weiteren Aktivitäten dazu zu.
Bislang haben die SWT und der Projektentwickler Juwi seit 2011 rund 3,5 Millionen Euro in das Raumordnungsverfahren und die Vorbereitungen für das Planfeststellungsverfahren für "Rio" investiert (der TV berichtete). Weitere rund sieben Millionen Euro für die Projektentwicklung wären laut SWT zusätzlich fällig, um das Genehmigungsverfahren schließlich bis zur Baureife zu durchlaufen. Erst danach könnte überhaupt mit den Arbeiten begonnen werden. Zu viel Geld für die Stadtwerke "unter den aktuellen Rahmenbedingungen", die man nicht allein stemmen wolle.
"Wir haben Aufsichtsräte und eigene Ansprüche, da können und wollen wir nicht einfach so ins Blaue hinein investieren. Ein wirtschaftliches Betreiben des Pumpspeicherkraftwerks ist derzeit nicht möglich", sagt SWT-Vorstand Arndt Müller am Mittwochabend gegenüber dem TV. Deshalb habe das Unternehmen in den letzten Monaten verstärkt nach Partnern gesucht, die sich an der weiteren Projektentwicklung, der reinen Planungsphase beteiligen. "Doch trotz intensiver Suche konnten wir noch keine Partner finden, die verbindlich bereit waren, in das Projekt zu investieren", sagt Vorstandssprecher Olaf Hornfeck.
Dennoch will die SWT das PSKW nicht komplett ad acta legen. "Unter der reinen ingenieurtechnischen und physikalischen Betrachtung ist die Anlage nach wie vor ein sehr guter Weg, das Problem der Stromspeicherung aus erneuerbaren Energien für die Region zu lösen", sagt Müller.
Und Projektleiter Rudolf Schöller ergänzt: "Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass unser Pumpspeicherkraftwerk die derzeit einzige, in dieser Größenordnung technische Möglichkeit für die Energiewende in der Region ist." Ein vergleichbares Modell in der Wirkung, grundlastfähig und unabhängig von der Witterung, gebe es nicht. "Leider vermissen wir dafür noch immer die Unterstützung, insbesondere seitens der Bundespolitik", sagt Schöller.
Bis dahin wollen die Stadtwerke Trier zunächst unternehmensintern ihre Hausaufgaben machen und stufenweise alle bestehenden Ressourcen zum Stromsparen nutzen - von der Trinkwasserversorgung bis zu Klärwerken. Dabei sollen intelligente Netze, dezentrale Speicher und eine digitale Steuerung der Energie eingesetzt werden.
"Hier haben wir über alle Sparten die Möglichkeit, Strom zu sparen, aber auch sinnvoll einzusetzen", erklärt Arndt Müller und verweist als Beispiel darauf, dass etwa im Trierer Hauptklärwerk die Energiekosten mittels des Einsatzes mitdenkender Computertechnik von 650 000 Euro auf 40 000 Euro reduziert werden konnten.
Und da die durch die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) genehmigte Raumordnung für das Pumpspeicherkraftwerk "Rio" noch bis zum Jahr 2022 Bestand hat, sieht man bei den SWT auch keine Eile, sich auf ein komplettes Aus des Projektes "Rio" schon jetzt festzulegen. "Wir schauen, wie weit wir in drei Jahren mit allem anderen kommen, um dann noch mal über das PSWK zu entscheiden", sagt Vorstand Müller. Denn erst soll Klarheit darüber herrschen, welche Rolle Energiespeicher und Online-Regler im Energiemarkt der Zukunft spielen und wie diese Dienstleistungen von Staats wegen vergütet werden.
Denn nach aktuellem Stand rentieren sich Pumpspeicherwerke kaum noch, die vor allem zwischen billigem Nachtstrom und teurem Tagstrom austariert haben. Doch mit mehr Energie aus Ökostrom ist solche Technik nicht mehr profitabel.

Eine weitere Hängepartie in Sachen "Rio" war bislang auch das Flurbereinigungsverfahren. Denn "Rio" benötigt insgesamt bis zu 350 Hektar Fläche für Bauwerk und Ausgleichsflächen. Um die Flächen durch Ankauf und Tausch zusammenzubekommen, hat das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) Mosel seit 2014 ein entsprechendes Verfahren eingeleitet - für insgesamt 4100 Grundstücke von 1211 Eigentümern auf 925 Hektar Fläche.
Wie und wann das laufende Flurbereinigungsverfahren fortgesetzt wird, stimmen SWT und DLR derzeit ab. Bislang sind erste Vorgespräche zwischen Behörde und Grundstückseigentümern gelaufen, damit im Falle eines Baus die Flächen schnellstmöglich zur Verfügung stehen. Allerdings gibt es noch Unklarheiten, wie viel den Eigentümern - einfacher oder mehrfacher Bodenwert - für Tausch oder Verkauf geboten werden soll.Extra: "RIO" AN DER MOSEL


(alf/sas) Das geplante Mosel-Pumpspeicherkraftwerk (PSKW) "Rio" soll die Wasserkraft im Gefälle nutzen. Das Wasser treibt dazu eine Turbine an und produziert Strom, der ins Netz eingespeist wird. Das Gefälle zwischen dem Oberbecken auf dem Hummelsberg bei Bekond und dem Unterbecken im Kautenbachtal bei Ensch soll 200 Meter betragen. Beide Becken fassen laut den Plänen rund sechs Millionen Kubikmeter Wasser. Das Kraftwerk soll im Betrieb 300 Megawatt leisten und den Strombedarf von rund 500 000 Menschen in der Region Trier sichern. Und wie funktioniert das PSKW? Ist der Stromverbrauch schwach, wird Wasser mit überschüssiger Energie ins Oberbecken gepumpt, ist der Verbrauch stark, erzeugt das abwärts schießende Wasser Strom. Die geschätzten Kosten allein für den Bau und die Umsetzung des Projekts belaufen sich auf rund 600 Millionen Euro.