Stolperfallen ade

Zwei von drei Deutschen wollen einer Umfrage zufolge so lange wie möglich auch im Alter zu Hause wohnen bleiben. Doch Altersgebrechen und die Folgen von Unfällen und Krankheit erschweren dies oft. Doch es gibt Wege, diese Hürden und andere Barrieren zu überwinden.

Dass wir immer älter werden, ist inzwischen Allgemeinwissen. Doch altersgerechter Wohnraum ist Mangelware angesichts der Prognosen, dass bereits in 15 Jahren in jedem vierten Haushalt Menschen über 70 Jahre leben werden. Viele private Eigenheimbesitzer bauen deshalb um. "Leider kommen viele Betroffene zu spät auf uns zu, um Rat zu suchen", sagt Ulrike Düro, eine von zwei Architektinnen der Landesberatungsstelle Barrierefrei Bauen und Wohnen in Trier (siehe Extra). Denn vielen sei weder das kostenlose Angebot der unabhängigen Beratung bekannt noch sei klar, "dass nicht jede Veränderung einen Riesenaufwand bedeutet oder viel kosten muss".Familie & Volksfreund: Bauen und Immobilien

Dabei wären Mieter bereit, im Schnitt 161 Euro monatlich mehr für eine altersgerechte Wohnung zu zahlen, Eigentümer sogar 384 Euro, hat das Emnid-Institut ermittelt. Denn mit einer Behinderung können Treppen, Türen, Schwellen, Dusch- und Badewannen zu fast unüberwindbaren Hindernissen und weiteren Unfallrisiken werden. Eine Umgestaltung ist daher meist die Folge. "Unser Ziel ist es, dass die Leute so lange wie möglich auch mit einem Rollator in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben können. Und im Neubau ist eine vorausschauende, barrierefreie Planung ein Kaufargument", sagt Düro. So berate sie meist Verbraucher zwischen 45 und 66 Jahren, die die Wohnung ihrer Angehörigen barrierefrei machen wollten. Die Architektin besucht deshalb häufig Betroffene vor Ort, um herauszufinden, welches die Haupthindernisse fürs barrierefreie Wohnen zu Hause sind: "Von außen können wir oft besser beurteilen, worauf es ankommt."

Astrid Müller, Fachkraft für barrierefreies Bauen und Wohnen bei der Handwerkskammer Trier, hat vor allem Fragen über Badsanierungen, Eingänge und Fördermittel festgestellt (siehe Grafik). "Die Bretter, die zu bohren sind, sind dünner geworden. Das Image, Barrierefreiheit steht nur mit alt und behindert in Verbindung, gibt es so nicht mehr", sagt sie.

Die KlassikerIm Alter wird meist nur noch das Erdgeschoss genutzt. "So kann man oft aus Gäste-WC und Garderobe eine begehbare Dusche machen", sagt Düro. Im Bad reicht eine Fläche von 4,5 Quadratmetern für Rollstuhlfahrer, wenn man auf eine Glaswand an der Dusche verzichtet. Laut Statistiken sterben mehr Menschen beim Auf- oder Abtreten von der Treppe als durch Verkehrsunfälle. "Teppiche müssen weg, Stufen müssen gut beleuchtet sein, ein Handlauf muss auf beiden Seiten angebracht sein", empfiehlt die Architektin.
Der NeubauKeine Wendeltreppe planen, um später auch einen Lift einbauen zu können. Eine nicht voll ausbetonierte Decke im Abstellraum dient als Option für einen Aufzugeinbau. Der Hauseingang sollte stufenfrei sein. Um eine Stufe zu kompensieren, braucht eine Rampe eine Länge von drei Metern.Bodengleiche Duschen gehören fast zum Standard. Aber Bäder sollten auch einen rutschfesten Bodenbelag haben. Achtung: Gipskartonwände sind zu instabil, wenn einmal Handgriffe befestigt werden müssen.Die Landesberatungsstelle Barrierefrei Bauen und Wohnen berät jeden dritten Dienstag im Monat in der Kreisverwaltung Daun von 14 bis 17 Uhr, Telefon 06592-933271, und in der Verbraucherberatungsstelle Trier jeden ersten Dienstag im Monat von 14 bis 17 Uhr, Telefon 0651-48802.

Flyer zum Downloaden unter www.barrierefrei-rlp.de oder unter www.verbraucherzentrale-rlp.de/broschuerenExtra: Beratung

Die Landesberatungsstelle Barrierefrei Bauen und Wohnen ist ein Projekt des Landessozialministeriums in Trägerschaft der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Architekten der Architektenkammer Rheinland-Pfalz beraten Betroffene in Veranstaltungen oder auch vor Ort. 60 von bundesweit 350 zertifizierten Handwerksbetrieben "Generationenfreundlicher Betrieb" mit Know-how in Barrierefreiheit liegen in der Region ( www.generationenfreundlicher-betrieb.de ). Das nächste Seminar ist am 14. und 15. April, Infos, Telefon 0651-207-257. sasExtra: Demenz

Rund 70 Prozent der Menschen mit Demenz leben zu Hause, in Rheinland-Pfalz sind dies mehr als 50 000 Menschen. Um dieser wachsenden Gruppe gerecht zu werden, beraten die Archtitekten hinsichtlich Farben und Kontrasten sowie deren Wirkungen als auch zu Beleuchtung. So kann die Ausleuchtung dunkler Ecken Äng-ste nehmen, einen Raum oder eine Treppe zu überwinden. "Ein Vorhang über der Tür hilft bei Weglauftendenzen", weiß die Trierer Architektin Ulrike Düro. Ein Glöckchen mache Angehörige darauf aufmerksam, dass jemand die Wohnung verlasse. "Das greift nicht in die Persönlichkeit des Kranken ein, entlastet aber Angehörige." Warme Farben vermitteln Behaglichkeit, eine blau gestrichene Tür gibt einen Hinweis auf Wasser und somit aufs Bad, ein Herzchen auf der Tür den Hinweis aufs WC. Mit starken Kontrasten wie schwarz-weißen Fliesen dagegen sind Demenzkranke überfordert. Im Bad kann eine Zweihebelbatterie mit Temperaturbegrenzung für kaltes und warmes Wasser womöglich besser sein als eine moderne Mischbatterie.
Düros Tipp: "Diese Anpassungen sollten so früh wie möglich in Angriff genommen werden in einem Frühstadium der Krankheit, denn Demenzpatienten reagieren im Verlauf zunehmend sensibler auf eine Veränderung ihrer Umgebung." sas