Verbraucherzentrale Stromanbieter wechseln: Das müssen Sie beachten

Trier · Neukunden profitieren bei vielen Energieversorgern derzeit von den gesunkenen Strom- und Gaspreisen. Allerdings sollte man sich bei einem möglichen Wechsel nicht nur von den Preisen leiten lassen. Die Verbraucherzentrale gibt Tipps.

 Strom ist billiger geworden. Foto: dpa

Strom ist billiger geworden. Foto: dpa

Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb/Armin Weigel

Viele Strom- und Gaskunden denken noch mit Schrecken an das vergangene Jahr. Der Ukraine-Krieg und die Sorge vor Energieknappheit ließen innerhalb weniger Wochen die Preise für Strom und Gas ansteigen. Vor allem Gas verteuerte sich, weil Russland die nach Deutschland gelieferte Menge nach und nach drosselte, bis die Lieferung irgendwann ganz eingestellt wurde.

Vor allem Kunden in sogenannten Sondertarifen mussten zum Teil deutlich mehr zahlen. Die Grundversorgertarife – die bis zur Energiekrise zu den teuersten zählten – waren vielerorts im Vergleich zu den anderen Tarifen billiger. Verkehrt Welt. Auch bei den Stadtwerken Trier (SWT) profitierten Kunden in der Grundversorgung von der Beschaffungsstrategie des regionalen Versorgers. Wie andere Stadtwerke auch hatten sich die SWT durch langfristige Lieferverträge vergleichsweise günstige Strompreise gesichert. Viele Kunden wechselten deshalb zu den Stadtwerken oder anderen Grundversorgern.

Inzwischen sind die Preise im Großhandel für Strom und Gas wieder gesunken, sodass sich ein kurzfristiger Einkauf für die Versorger bezahlt macht. Deswegen sind die Tarife bei vielen überregionalen Anbietern meist deutlich günstiger als die der örtlichen Grundversorger. „Das niedrige Preisniveau wird bei vielen Neukundentarifen berücksichtigt, während bei Bestandskundenverträgen das Preisniveau oftmals noch sehr hoch ist. Preissenkungen sind hier noch eine Ausnahme“, heißt es bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Allerdings seien die günstigsten neu abschließbaren Stromtarife aber immer noch knapp 20 Prozent teurer als vor der Energiekrise, die Gaspreise in etwa doppelt so hoch.

Die Verbraucherzentrale rät daher zum Vergleichen der verschiedenen Anbieter und Tarife und gegebenenfalls zum Wechsel.

Wie finde ich den richtigen Tarif?

Die Verbraucherzentrale rät, die bekannten Vergleichsportale im Internet zu nutzten. Bei der Suche sollte man sich allerdings nicht auf die Voreinstellungen verlassen, sondern folgen Filter-Optionen wählen:

Bonus nicht einrechnen lassen. So könne man die Jahreskosten besser einschätzen.

Man sollte sich nicht nur Tarife anzeigen lassen, zu denen man direkt über das Portal wechseln kann. Das schränke die Auswahl unnötig ein, weil sich die Vergleichsportale über Provisionen von Anbietern und über Werbung finanzierten. Die Portale verstünden sich als Vermittler zwischen Energieanbietern und Verbrauchern. Allerdings übernähmen sie keine Gewähr, dass die angezeigten Daten richtig seien.

Ein weiterer Tipp der Verbraucherzentrale: „Deaktivieren Sie die Voreinstellung ‚hohe Kundenempfehlungsquote‘. Denn Kundenempfehlungen kann man nur für solche Tarife aussprechen, für die das Portal Provisionen erhält. Auch das schränkt Ihre Auswahl also unnötig ein.“

Man sollte sich jeweils nur einen Tarif pro Anbieter anzeigen lassen.

Vor dem Wechsel über Anbieter informieren

Die Verbraucherzentrale rät, sich auf verschiedenen Internetseiten die Kundenbewertungen zu dem Anbieter anzuschauen. „Als Quellen für Ihre Recherche eignen sich zum einen die Internetseiten der Anbieter selbst – gewinnen Sie hier einen schlechten Eindruck, weil etwa keine klaren Produktbeschreibungen, Kontaktmöglichkeiten oder Hinweise zum Unternehmen zu finden sind, sollten Sie sich nicht auf einen Vertrag einlassen.“ Man könne auch Veröffentlichungen von Urteilen und Abmahnungen der Verbraucherzentralen hinzuziehen.

Macht eine Preisgarantie Sinn?

Ob die Strom- und Gaspreise dauerhaft auf dem derzeitigen Niveau bleiben, hänge von der Versorgungssituation mit Erdgas im kommenden Winter ab. „Wer sich absichern möchte, sollte einen Tarif mit Preisgarantie wählen“, rät die Verbraucherzentrale. Sie empfiehlt, eine Vertragslaufzeit von etwa einem Jahr in Verbindung mit einer Preisgarantie zu wählen. „Mit kurzen Vertragslaufzeiten bleiben Sie flexibel, allerdings können sie mitunter zu früheren ordentlichen Kündigungen durch den neuen Anbieter und neuen Vertragsangeboten mit schlechteren Preiskonditionen führen. Sie haben dann aber ein Sonderkündigungsrecht.“

Nicht von Prämie blenden lassen

Manche Anbieter locken Neukunden mit Prämien. Das könne zum Beispiel ein Grill sein, ein Smartphone, ein Fahrrad oder ein Zeitschriftenabo, so die Verbraucherzentrale. Sie warnt vor solchen Angeboten, da sie in der Regel teurer sind.

Auf die Anzahl der Abschläge achten

Anbieter verlangten üblicherweise zwölf monatliche Zahlungen (Abschläge). Einige Anbieter nähmen auch elf Abschläge, die dann höher seien als bei monatlichen Zahlungen. Im Falle einer Insolvenz des Energieanbieters würden weniger Abschläge ein Risiko bergen, weil dadurch ein unnötig hohes Guthaben gegenüber dem Energieversorger entstehe, das dann bei einer Pleite des Anbieters vermutlich verloren sei. „Sie sollten sich also für zwölf Abschläge entscheiden“, so der Tipp der Verbraucherzentrale.