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Tipps gegen das Jakobskreuzkraut

Garten : Verunsicherung durch das Jakobskreuzkraut - Tipps zum Umgang mit der Pflanze

Im Sommer blüht der gelbe Korbblütler, bekannt für seine giftigen Inhaltsstoffe. Besteht Gefahr für Mensch und Vieh? Unsere Garten-Expertin klärt auf.

Das Jakobskreuzkraut ist eine alte Bekannte. Die im Sommer gelb blühende Wildpflanze gehört zur heimischen Flora. Neu ist die teilweise starke Ausbreitung. Hitze und Trockenheit scheinen die Vermehrung der wärmeliebenden Ruderalpflanze zu begünstigen. Lange spielte die von Pferdehaltern und Milchbauern wegen ihrer Giftigkeit fürs Vieh gefürchtete Pflanze vor allem auf Grünland eine Rolle. Zunehmend sieht man die Art auch an Straßenrändern. Jakobskreuzkraut wurde früher sogar in Saatgutmischungen für Straßenbegleitgrün verwendet. Für die Insektenwelt hat die Pollenpflanze große Bedeutung. Die Blüten dienen Wildbiene & Co. als Pollenspender und Futterpflanze. Rund 170 Arten konnten ausgemacht werden.

In die Schlagzeilen geriet das Jakobskreuzkraut vor allem durch seine giftigen Inhaltsstoffe. Pyrrolizidin-Alkaloide werden im Körper zu Schadstoffen verstoffwechselt. Sie reichern sich im Körper an, vor allem der Leber, und können zu akuten oder chronischen Vergiftungen führen. Für Nutztiere gibt es Berechnungen zur tödlichen PA-Dosis. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen führt in ihrer Info-Broschüre „Jakobskreuzkraut – Eine Giftpflanze auf dem Vormarsch“ eine tödliche Dosis von zwei Trieben pro Kilogramm Körpergewicht an. Eine 700 Kilogramm schwere Kuh müsste dazu 15 Triebe hundert Mal fressen (Extra).

Welche PA-Dosis für Menschen tödlich ist, wird noch erforscht. Ganz abgesehen davon, dass niemand Jakobskreuzkraut essen würde, sind genaue Angaben über eine schädliche Dosis schwierig, zumal der Alkaloidgehalt der Pflanzen stark schwanken kann. Auslöser für erste Debatten über die Gefährlichkeit des häufig auch als Jakobs-Greiskraut bezeichneten Gewächses war 2009 übrigens der Fund des Gemeinen Greiskrauts (Senecio vulgaris) in einer Rucolapackung.

Pflanzliche Nahrungsmittel gelten als eine der größten PA-Quellen für Menschen. Ins Visier genommen hat das Bundesamt für Risikobewertung beispielsweise Kräutertees oder Würzkräuter (mehr Infos gibt es hier). Pyrrolizidin-Alkaloide konnten in Bienenhonig nachgewiesen werden.

Machen sich Gartenbesitzer zu Recht Sorgen, ob man die Pflanze auf dem Vormarsch bekämpfen muss? Nein, sagt das Julius Kühn-Institut, ein Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Entfernen muss man es nur, wo es Schaden anrichtet. Aufpassen sollten daher Besitzer von Tieren. Bei einer Samenproduktion von über 100 000 Samen pro Pflanze fällt dem Jakobskreuzkraut die Verbreitung leicht. Mit dem Wind können die Samen bis 50 Meter weit fliegen. Fallen sie auf offenen Boden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie keimen.

Bei der gezielten Weidepflege versucht man daher, die Samenbildung zu verhindern. Das gelingt durch eine frühzeitige Mahd bei Blühbeginn im Juni sowie eine regelmäßige Nachmahd oder Mulchen. Erste einwandernde Pflanzen sticht man am besten mit der Wurzel aus. Dazu sollte man Handschuhe tragen. Für die chemische Bekämpfung müssen bestimmte Auflagen erfüllt sein. Im Privaten ist chemische Bekämpfung verboten.

Das Ausreißen in der freien Natur sehen Experten kritisch. Der Laie erwischt schnell das falsche Kraut. Was derzeit gelb blüht, könnte auch Johanniskraut, Wiesen-Pippau, das absolut harmlose und dem Jakobs-Greiskraut zum Verwechseln ähnlich sehende Raukenblättrige Greiskraut sein oder irgendeine andere heimische Kreuzkrautart.