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Tipps von den TV-Gesundheitsexperten

Gesundheit : Volkskrankheit Parodontitis

Was Betroffene häufig als Zahnfleischentzündung ansehen, ist in Wirklichkeit eine Parodontitis, demnach eine tiefgreifende und folgenreiche Erkrankung des Zahnhalteapparates, die von etlichen Faktoren in ihrem Entstehen beeinflusst wird.

Symptome der Parodontitis, die in der Regel schmerzlos verläuft, sind Zahnfleischbluten, Schwellung und Rötung, sowie Rückgang des Zahnfleisches mit freiliegenden, oder empfindlichen Zahnhälsen, unangenehmer Mundgeruch, Zahnwanderungen und Zahnlockerungen.

Ursächlich für das Entstehen einer Parodontitis sind bestimmte Bakterien, die in dem sogenannten Biofilm auf der Oberfläche der Zähne und Zahnwurzeln angesiedelt sind. Risikofaktoren für das Entstehen einer Parodontitis sind als Risikofaktor Nr. 1 das Rauchen, schlechte Mundhygiene, Diabetes (Förderung der Insulinresistenz), Übergewicht , anhaltende Stressbelastung aber auch genetische Anlagen.

Im Alter von 35 Jahren sind im Durchschnitt bereits 52 Prozent der Bevölkerung an einer Parodontitis erkrankt, bei den Senioren sind es dann 90 %. Allein 11,5 Millionen der Deutschen leiden an der schweren Form der Parodontitis.

Da sie nicht nur Auswirkungen auf den  Zahnhalteapparat hat, sondern auch die Entstehung oder Verschlechterung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie einen Diabetes fördern oder ungünstig beeinflussen kann , ist die Parodontitis auch ein allgemeinmedizinisches Problem.

Deshalb sind frühzeitige Diagnosestellung und vorbeugende Behandlung von größter Bedeutung. Die Parodontal-Therapie zielt darauf ab die Entzündung und den dadurch verursachten entzündlich bedingten Knochenabbau zu reduzieren oder zu stoppen. Hierzu wurde in der deutschen Gesellschaft für Parodontologie ein umfassendes Behandlungskonzept mit einem vier-Stufenplan entwickelt.

Die Stufen 1 und 2 umfassen die Anleitung und Unterweisung in der geeigneten häuslichen Mundhygiene, sowie die professionelle mechanische Plaque- und Zahnsteinentfernung im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung (PZR). Erst nach Abklingen der Entzündungszeichen des Zahnfleisches erfolgt die Behandlung nach den Stufen 3. und 4. durch den Zahnarzt unterhalb des Zahnfleisches, die in örtlicher Betäubung durchgeführt wird.

Bei empfindlichen freiliegenden Zahnhälsen oder einer starken Entzündung kann auch die PZR unter Lokalanästhesie erfolgen, so dass die Behandlung für den Patient möglichst schmerzfrei verläuft. Der langfristige Behandlungserfolg ist abhängig von der Mitarbeit des Patienten, mit der Effektivität seiner häuslichen Mundhygiene . Raucher sollten dringend an eine Raucherentwöhnung denken.

Dr. med. Dr. med. dent. Gitta Bechtel-Grebe, Fachärztin für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie und Fachärztin für Oralchirurgie.