Gartenkolumne Beim Schnitt nicht alle Sträucher über einen Kamm scheren

Wenn der erste Bärlauch aus dem Boden spitzt – und das tut er bereits, geht der Winter zu Ende. Das ist für mich das Signal, den Sommerflieder (Buddleja) zu schneiden. Er legt seine Blütenknospen an den diesjährigen Trieben an.

Ein Frau schneidet einen Rosenbusch zurück; in der Gartensaison ist das jetzt noch zu früh.

Ein Frau schneidet einen Rosenbusch zurück; in der Gartensaison ist das jetzt noch zu früh.

Foto: Getty Images/domoyega

Durch das Einkürzen zum Winterausgang, regt man einen starken Neuaustrieb mit vielen Blütenzweigen an. Sommerflieder kann man stark zurückschneiden, bis auf zwei bis drei Knospenpaare an fingerdicken Ästen. Nach dem Schnitt sieht so ein Strauch zwar etwas sparrig aus, aber das verwächst sich schnell wieder. Würde man ihn ungeschnitten lassen, bildeten sich immer dünnere Ästchen und die Blühfreude des Schmetterlingsmagneten ließe deutlich nach. Auch die niedriger bleibenden Zwerg-Sommerflieder schneidet man 20 bis 30 Zentimeter über dem Boden ab. Bei der Blauraute (Perovskia) geht man noch radikaler vor und kappt sie bodennah. Ungeschnitten bleibt dagegen der Edelginster (Cytisus). Er kommt erst direkt nach der Blüte im Vollfrühling dran, um seine Fasson zu wahren. Und auch mit dem Rosenschnitt warte ich noch etwas ab. Hier gibt die Forsythienblüte das Zeichen. Von den, als wenig nützlich für Insekten verschrienen Frühjahrsblühern, gibt es eine Neuheit. Forsythie Forbeesia bietet Nektar und Pollen. In Wuchs und Blütenfarbe ist sie von den altbekannten und beliebten Ziersträuchern kaum zu unterscheiden. Die langen Äste der Forsythien verleiten dazu, die Gehölze auf ein kompakteres Maß runterzustutzen. Doch ein ungekonntes „über einen Kamm scheren“ um diese Zeit bringt einen nicht nur um die Blüte. Es ruiniert auch die Vitalität des Strauchs. Forsythien brauchen einen Verjüngungsschnitt nach der Blüte. Dazu nimmt man jedes Jahr die ältesten und dicksten Triebe so tief wie möglich raus.

Dicke Mitteltriebe meiner Hainbuchenhecke säge ich noch vor Anfang März raus. Im unbelaubten Zustand erkennt man die Struktur am besten und kommt gut an die Äste. Ist die Hecke erst wieder dicht grün, bauen Vögel ihre Nester hinein. Um das junge Familienglück nicht zu stören, sollte man Gartengehölze im Spätwinter schneiden, auch wenn Formschnitt und Gehölzsicherungsschnitte im Hausgarten das ganze Jahr erlaubt sind. Nach getaner Arbeit, gibt es dann übrigens ein Brot mit Bärlauchbutter vom ersten selbst geernteten Blattgrün.

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