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Tipps von der TV-Gartenexpertin

Gartenkolumne : Bodenverbessernde Brennnesseljauche hält über den Winter

Da habe ich mich in der letzten Gartenkolumne aber ganz schön in die Nesseln gesetzt. Sorry, Solon. Das war schon ein starkes Stück „einen der sieben Weisen Griechenlands“, Wegbereiter der Demokratie in Athen und bedeutenden Gesetzgeber als „irgend so einen Krieger aus dem Altertum“ zu bezeichnen.

Angemessen wäre die Bezeichnung als beredter Militärstratege gewesen. Aber wie heißt es schon in der Sammlung Solonischer Spruchweisheiten: „In der Tat, bei allen Werken ist Gefahr im Spiel.“ Zum Beispiel, die Gefahr, schlecht recherchiert zu haben. Ich versuche es wieder gut zu machen: Haben Sie sich auch schon mal gefragt, wie das gehen soll, dass man die Gemüsebeete zur Bodenverbesserung zum Winterende mit Brennnesseljauche gießt, wenn es zu der Zeit noch gar keine frisch gewachsenen Brennnesseln gibt, die man ansetzen könnte? Schwester Christa von der Abtei Fulda konnte es mir aus erster Quelle erklären. Von ihr weiß ich sicher, dass sie eine weise Ordensfrau ist, die auf ihre langjährige Erfahrung im biologisch bewirtschafteten Klostergarten zurückgreifen kann. Gefragt, ob man die Jauche denn über den Winter aufheben könne, versicherte sie, dass dies ohne weiteres möglich sei. Die Brennnesseljauche könne man sogar ruhig einfrieren. Man dürfe das Kunststoffgefäß nur nicht ganz füllen. Neben Kunststoffbehältern aus lebensmittelechtem PE eigenen sich zur Aufbewahrung Holzfässer. Emailgefäße empfehlen sich nur, wenn sie heil sind. Metallgefäße sind ungeeignet, da sie schädliche Verbindungen mit der Jauche eingehen. Sobald die Brennnesseln im Frühjahr wieder beginnen zu wachsen , kann man dann frische Düngejauche ansetzen. Aber auch hier gilt die Solonische Sentenz von der Gefahr im Spiel, wenn man sie zu hoch konzentriert ausbringt. Über Boden und Kompost funktioniert die unverdünnte Ausbringung. Zum Angießen von Setzlingen rechnet man einen Teil Brennnesseljauche auf 20 Teile Wasser, zur Pflanzenstärkung nimmt man ein Verhältnis von eins zu 50 und gießt einmal wöchentlich.

Solons Spruch geht übrigens noch weiter: „..und niemand weiß, wo er am Ende landen wird, wenn die Sache beginnt.“ Könnte auch ein Spruch für die kommende Saison sein. Überraschungen gehören zum Gartenjahr. Wer sich gut informiert hat, ist aber zumindest bestens vorbereitet.

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