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Tipps von der TV-Gartenexpertin

Gartenkolumne : Was man schon immer über Flieder wissen wollte

Verblüfft stellte die Freundin fest: „Jetzt bin ich der klickfreudigen Seite wieder auf den Leim gegangen.“ Gelockt von einer vielversprechenden Überschrift, hatte sie sich in den Weiten des Internets verloren.

Die versprochene Antwort auf eine Frage, die einen brennend interessiert, verfängt im Netz. Begierig, hangelt man sich durch die Textblöcke, klickt von einem Link zum nächsten. Den Erkenntnisgewinn bleiben die Artikel schuldig. Das wäre ja so, als würde ich die geneigte Leserschaft, die sich fragt, wann man Forsythie und Flieder schneidet, mit dem Versprechen locken: „Verwirrung um richtigen Schnitt: Wir klären auf“, um dann erst einmal über den schwedischen Botaniker Carl Peter Thunberg zu referieren. Wen interessiert dessen Japanaufenthalt vor 245 Jahren als er die Forsythie entdeckte und anfänglich für einen Flieder hielt? Man will wissen, wann die beiden Gehölze geschnitten werden. Doch anstatt zum Punkt zu kommen, lieferte der Flieder das Stichwort für einen Exkurs über Duft. Fliederduft ist legendär: süß und blumig, im Grunde eine eigene Parfümkreaktion. Jetzt nicht in Details verlieren! Deshalb hier kurz und knapp: Forsythien und Flieder schneidet man direkt nach der Blüte. Bei Flieder geht es dabei um einen Erhaltungsschnitt. Alle verblühten Rispen kappt man oberhalb eines Blattpaares. Forsythien lichtet man alle zwei Jahre nach der Blüte aus, indem die jeweils ältesten Triebe komplett entfernt werden (5 cm über dem Boden abschneiden). Mindestens die Hälfte der Hauptäste sollte stehen bleiben. Ragen einzelne Triebe raus und stören das Wuchsbild, kann man sie leicht einkürzen. Ein späterer Schnitt geht zulasten der Blüte. Denn die frühjahrsblühenden Sträucher legen ihre Blütenknospen für die nächste Saison bereits in diesem Jahr an. Man hätte also auch formulieren können: „Nach der Blüte ist vor der Blüte: Mit dem Abblühen Schere ansetzen für üppige Flieder- und Forsythienblüte im nächsten Jahr.“ Aber wer hätte dann noch weitergelesen?!

 Der Persische Flieder (Syringa persica) hat neben wunderschönen, duftenden Blüten auch fein gefiedertes Laub.
Der Persische Flieder (Syringa persica) hat neben wunderschönen, duftenden Blüten auch fein gefiedertes Laub. Foto: dpa-tmn/Andrea Warnecke

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