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Tipps von Experten: Wenn die Beweglichkeit nachlässt

Gesundheit : Meine Bewegungen werden immer langsamer: was steckt dahinter?

Mit zunehmendem Lebensalter werden die Bewegungen bei jedem Menschen langsamer und manchmal auch etwas unsicherer. Die Muskulatur lässt in der Kraft nach und wird zumeist schmächtiger. Wenn die Bewegungen aber innerhalb weniger Monate rasch im Ausmaß abnehmen und das Gehen kleinschrittiger wird, steckt nicht selten etwas anderes als nur das zunehmende Alter dahinter.

Insbesondere bei einer einseitigen Verminderung der Bewegung an einem Arm, eine zunehmende Steifigkeit der Muskulatur und einem begleitenden Zittern einer Hand oder eines Armes sollte man an eine beginnende Parkinson-Erkrankung (auch Morbus Parkinson genannt) denken. Dabei gehen die betroffenen Menschen häufig etwas nach vornübergebeugt und sind unsicher. Das Zittern tritt zumeist in Ruhe und an dem betroffenen Arm auf („Ruhetremor“). Die Patienten/innen berichten teilweise über einer Verminderung des Geruchssinns und über Schlafstörungen mit Sprechen oder Bewegungen während des Traumes (so genannte REM Schlafstörungen). Die Parkinson-Erkrankung kann sich dabei auch ohne Zittern  manifestieren, so dass der Begriff „Schüttellähmung“ heute nicht mehr verwendet wird. Wichtig ist, dass eine frühe Diagnose eine medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlung führt. Die medikamentöse Therapie beinhaltet Medikamente, die den Mangel an Dopamin bei der Parkinsonerkrankung ausgleichen können. Den betroffenen Patienten/innen geht es unter der Therapie zumeist gerade in den ersten Jahren der Erkrankung deutlich besser, die Verträglichkeit der Medikamente ist in der Regel gut. Nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen wie Krankengymnastik, Ergotherapie oder Logopädie werden je nach vorhandenen Symptomen ebenfalls eingesetzt und führen ebenfalls zu einer Verbesserung. Fernöstliche Bewegungstrainings wie Tai Chi oder Qigong können zusätzlich gerade zu einer größeren Sicherheit beim Gehen und Stehen beitragen. An der Parkinson-Erkrankung leiden in Deutschland derzeit ca. 400.000 Menschen, so dass es keine seltene und in den letzten Jahren zunehmende Erkrankung ist. Prominente Betroffene sind der amerikanische Schauspieler Michael J. Fox oder der deutsche Kabarettist Ottfried Fischer. Neben einer genetischen Veranlagung scheinen Umweltgifte wie Herbizide und Pestizide sowie die Ernährung eine Rolle zu spielen. Anders als bei der Alzheimer-Erkrankung sind mehr Menschen aus ländlichen Gebieten im Vergleich zu städtischen Siedlungen betroffen. Derzeit zielt die Behandlung vor allem auf einen Ausgleich des fehlenden Dopamins hin, wobei dies eine rein symptomatische Therapie ist. Es laufen aktuell jedoch Studien, die zu Verminderung für die Parkinson-Erkrankung ursächlicher falsch gefalteter Eiweißstoffe (alpha-­Synuclein) führen können. Sollten diese Studien positiv ausgehen, so wäre erstmals in der Geschichte eine ursächliche („kausale“) Behandlung der Parkinson-Erkrankung möglich.

Prof. Dr. Matthias Maschke, Chefarzt der Abteilung für Neurologie und Neurophysiologie mit überregionaler Stroke Unit, Brüderkrankenhaus Trier.